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Gazproms langer Arm nach Chennai

5. Juli 2026 — — — Hollis

1937 hat jemand den Hahn aufgedreht. Heute, fast neunzig Jahre später, will jemand anders ihn zudrehen — und wo, glaubt ihr, sucht er sich sein Ventil? In Chennai. An Indiens Ostküste, wo Hitze auf Salz trifft.

Die geplante Lage eines neuen LNG-Terminals ist kein Zufall. Sie fügt sich exakt in die Chennai-Vladivostok-Maritime-Korridor-Initiative ein. LNG-Terminals sind das entscheidende Glied der globalen Energieversorgung: Sie machen Erdgas transportabel, unabhängig von festen Leitungen über Grenzen hinweg. Wer profitiert? Gazprom. Wer schweigt? Die Sanktionswächter in Washington, die gerade wegschauen, weil Delhi zu groß ist, um es sich zum Feind zu machen.

Gazprom investiert in Indien. Das ist die Nachricht. Ein russischer Staatskonzern, der Gelder in ein Land pumpt, das gleichzeitig mit Washington über Handel und Demokratie streitet. Indien signalisiert: Wir nehmen euer Geld. Wir nehmen euer Gas. Wir lassen uns nicht in eure Blöcke pressen.

Und warum LNG? Weil Pipeline-Gaslieferungen unterbrochen wurden — durch eine geopolitische Bruchlinie, die sich seit Jahren quer durch die Energiekarten zieht. Terminals werden ausgebaut, neue gebaut. Flüssigerdgas umgeht Rohrleitungen. Es umgeht Grenzstationen. Es umgeht die Knoten, die sich nicht mehr lösen lassen.

Aber jetzt wird es interessant. Die Zusammenarbeit zwischen Rosneft, BP und Gazprom zeigt, wie abhängig Russland noch immer von westlicher Technologie und westlichem Kapital ist. BP sitzt mit am Tisch — ausgerechnet. Die Sanktionen treffen Russland dort, wo es wehtut: bei der LNG-Produktion, bei Exporten. Ausländische Technik und Investitionen fehlen.

Die Anbindung des Gasfeldes an die Pipeline — für Rosneft der entscheidende Schritt, um seine Produktionsziele zu erreichen. Gazproms Projekt gilt als entscheidend für die russische Gasindustrie im einundzwanzigsten Jahrhundert. Beide Seiten brauchen einander. Und beide brauchen Indien als Käufer, als Umschlagplatz, als Schlupfloch.

Offen bleibt, wer den Hafen kontrolliert, wenn das Gas fließt. Wessen Flagge hängt am Terminal. Wessen Versicherungen tragen die Tanker. Die Architektur dieses Deals ist größer als ein Pier an der Bucht von Bengalen. Sie ist ein Bypass um den Westen.

Jack Hollis trinkt Bier in einer Hafenkneipe. Das Bier schmeckt nach Salz. Wie eine Pipeline.

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