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30 Milliarden Gesichter ohne Erlaubnis kassiert

5. Juli 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

Die Drähte summen. Diesmal nicht Morse — diesmal Datenleitungen, die ich nur höre, weil jemand schlecht verschlüsselt hat. Clearview AI, ein Konzern, hat sich dreißig Milliarden Gesichtsbilder geschnappt. Ohne zu fragen. Ohne Erlaubnis. Die Datenschutz-Grundverordnung der EU kennt solche Methoden: das ist kein Kratzer, das ist ein Bruch.

Die Regulierer sehen klar. Dieser Konzern versucht nicht, sich anzupassen — er versucht zu umgehen. Sein Geschäftsmodell braucht das Gesetz als Hindernis, nicht als Rahmen. Wer Überwachungswerkzeuge baut und Regulierung scheut, will verdienen, ohne dass jemand mitzählt.

Jetzt droht mehr als eine Geldstrafe. Erstmals könnten Manager strafrechtlich verfolgt werden. Ein Präzedenzfall. Bisher waren DSGVO-Verstöße ein Posten auf der Rechnung. Wenn aus der Rechnung ein Verfahren wird, ändert sich die Rechnung der Konzerne. Das ist der Hebel, den Brüssel sucht.

Parallel erweitert die EU den Schutz. Das neue EU-Datengesetz greift über die DSGVO hinaus — auch Daten vernetzter Geräte fallen darunter. Biometrische Daten durch Polizeien sind in der Union umstritten, neue Gesetze ziehen die Schrauben an. Clearview liefert genau das, was hier enger reguliert wird. Das Timing ist kein Zufall.

Die Entscheidung, die jetzt ansteht, bestätigt zudem: britisches Datenschutzrecht gilt auch für ausländische Firmen, die Daten britischer Bürger verarbeiten. Das ist die Lehre für jeden Konzern, der glaubt, mit Servern weit weg sei er außer Reichweite. Die Reichweite ist das Recht.

Offen bleibt, wer die Auftraggeber der Abfragen waren — Behörden, private Käufer, beide? Unklar bleibt auch, wie viele der dreißig Milliarden Bilder tatsächlich aus Europa stammen. Das Verfahren wird es zeigen. Ich bleibe an der Strippe.

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