Vanguard kauft sein Schweigen: Dreißig Millionen Dollar
Dreißig Millionen Dollar. Eine Zahl, die in den Salons der Vermögensverwalter kaum jemanden aufschreckt, und genau deshalb lohnt es sich, sie zu wiederholen — leise, wie man eine Tür öffnet, die niemand sehen soll. Vanguard hat bezahlt, hat Dokumente herausgegeben und seine ESG-Aktivitäten für mehrere Jahre eingestellt. Was wie ein Vergleich aussieht, ist ein Lehrstück darüber, wer hier die Musik bestellt — und wer nur noch mitspielt.
Die Klage republikanischer Generalstaatsanwälte behauptet, große Assetmanager hätten den Wettbewerb in der Kohleindustrie untergraben und die Energiepreise nach oben getrieben. Man muss kein Kartellrechtler sein, um zu sehen, wie dünn dieses Argument ist — und wie laut es dennoch durch Washington getragen wird. Justizministerium und FTC unterstützen das Verfahren gegen BlackRock, State Street und nun auch gegen Vanguard. Was hier wetteifert, ist nicht der Wettbewerb der Ideen, sondern der Wettbewerb der Rechtsabteilungen.
Vereinbart wurden dreißig Millionen, Aktenlieferung und das Ende der Divestment-Strategien, mit denen Vanguard Unternehmen verändern wollte. BlackRock und State Street verteidigen das Recht auf Nachhaltigkeitsberichte und Diversität in Aufsichtsräten. Hier die Verwalter mit gebleckten Zähnen, dort die Politiker, die mit dem Finger auf die Kohle zeigen und meinen, es sei die Sonne.
Dasselbe Muster unter anderen Vorzeichen: Norwegens Staatsfonds hat wie andere internationale Verwalter erhebliche Abschreibungen auf seine russischen Engagements vorgenommen, als die Invasion in der Ukraine die Logik des ruhigen Investierens zerstörte. Auch dort wurde Selektivität bestraft — politisch, bilanziell, strukturell. Wer sortiert, gerät ins Fadenkreuz.
Wer in den Vereinigten Staaten heute Nachhaltigkeit will, muss mit einem Verfahren rechnen, das mit staatlichen Mitteln finanziert und von Bundesbehörden flankiert wird. Offen bleibt, wer als Nächster die Handschuhe auszieht. Offen bleibt, warum die Kohle als Schutzobjekt dient. Offen bleibt, wessen Mandate künftig verwaltet werden.
Man trägt Handschuhe, wenn man solche Dokumente unterschreibt. Nicht aus Hygiene. Aus Gewohnheit.