Viele Wege nach oben, keiner ans Ziel
DARPA mustert die Quantenflotte — und keiner gewinnt das Rennen. Was steckt hinter der Unentschlossenheit der Behörde, wenn der Kongress längst nach einer Richtung verlangt?
Die Vielfalt qubit-basierter Technologien ist Segen und Fluch zugleich. Kein Architekturmodell dominiert, und ausgerechnet jene Institution, die einst das Internet aus den Trümmern militärischer Forschung gebar, weigert sich, einen Sieger zu küren. Die Defense Advanced Research Projects Agency evaluiert — bewertet — bewertet erneut. Die Stärken jedes Ansatzes, heißt es, sollen gewürdigt werden. Eine noble Formulierung. Wer aber zahlt den Preis für die Neutralität?
Das Quantum Benchmarking Initiative, kurz QBI, nimmt verschiedene Ansätze zur Entwicklung von Quantencomputern in den Blick, die industrielle Anwendungen tragen sollen. Hochriskante Forschung also, das Kerngeschäft der DARPA, gepaart mit unabhängiger Validierung und Kommunikation der Ergebnisse an andere Regierungsstakeholder. Das klingt nach Methode. Klingt nach einem Programm, das seine eigene Unschuld zelebriert.
Doch die Rechnung wird nicht in Algorithmen beglichen, sondern in Dollar. Der Artikel, der diese Architektur begleitet, betont die Notwendigkeit, Budgetbeschränkungen zu berücksichtigen — den Fortschritt bei großtechnischen Quantencomputern zu gewährleisten. Eine schwierige Vokabel: gewährleisten. Garantiert wird nichts in diesem Geschäft. Garantiert wird nur, dass Mittel fließen, solange niemand die falsche Frage stellt. Und welche wäre das? Ob all die bewerteten Ansätze am Ende einen einzigen Cent an industriellem Nutzen tragen werden.
Der Kongress jedenfalls schaut genau hin. Erhebliches Interesse besteht an der potenziellen Rolle der Quantencomputertechnologie in verschiedenen Bereichen — eine Formulierung so dehnbar wie der Stratosphärengurt eines alternden Luftschiffes. Verschiedene Bereiche. Verteidigung, Kryptographie, Materialforschung, vielleicht Wetter, vielleicht Logistik. Alles möglich. Nichts entschieden. Das Programm selbst ist offen für alle verantwortungsbewussten Quellen, die die Bedürfnisse der Regierung erfüllen können. Wer definiert verantwortungsbewusst? Wer prüft die Bedürfnisse?
Hier sitzt der Ermittler und kratzt am Lack. Die DARPA fördert hochriskante Projekte, das stimmt. Sie validiert unabhängig, das stimmt auch. Sie kommuniziert Ergebnisse, statt sie zu besitzen — ein nobler Gestus. Doch wer profitiert von einer Landschaft, in der niemand verliert, weil niemand gewinnt? Die Forschungsstätten, deren Teams über Jahre alimentiert werden. Die Auftragnehmer, deren Plattformen verglichen werden, ohne dass eine scheitert. Die Berater, deren Evaluationsmethoden unentbehrlich werden.
Unklar bleibt, welche industriellen Anwendungen tatsächlich reif sind. Unklar bleibt, wer im Kongress die Geduld verliert, wenn das Benchmarking kein Ende nimmt. Unklar bleibt vor allem, was geschieht, wenn die Höhe, in der sich dieses Programm bewegt, irgendwann keinen Sauerstoff mehr liefert.
Noch atmet es. Still und breit. Wie ein Luftschiff ohne Kurs.