Clearview AI — wer sammelt, wer zahlt, wer schaut weg
Drei Milliarden Gesichter. Dann zehn. Clearview AI sammelt weiter — schneller als jede Aufsicht liest.
Die Maschine heißt Gesichtserkennung. Das Geschäft heißt Datenhunger. Was als Werkzeug für Sicherheitsbehörden begann, ist eine Datenbank ohne Erlaubnis der Abgebildeten. Die Quellen: Facebook, Instagram, unzählige Plattformen — gescrapt gegen die eigenen Nutzungsbedingungen. Die Maschine lernt. Die Regeln gelten nur für andere.
Das EU-Parlament hat die Linie gezogen. Biometrische Massenüberwachung ist verboten. Private Gesichtserkennungsdatenbanken dürfen nicht eingesetzt werden. Das ist kein Vorschlag, das ist Beschlusslage. Die Frage ist nicht ob, sondern wann die Behörden nachziehen.
Die kanadische Datenschutzbehörde hat vorgemacht, was Beweis ist. Sie stufte Clearviews Praktiken als illegale Massenüberwachung ein. Europa hat dieselben Gesetze, schärfere sogar. Was in Ottawa Urteil wurde, wird in Brüssel, Berlin, Wien Aktenzeichen.
Wer profitiert? Die Sicherheitsbehörden, die mit wenigen Klicks Millionen Gesichter durchsuchen. Die Firma, die das Werkzeug verkauft. Wer zahlt den Preis? Jeder, dessen Gesicht ohne sein Wissen in einer Datenbank liegt — und hier wird es unangenehm präzise: die Fehlerrate der KI ist bei ethnischen Minderheiten, LGBTI-Personen, Senioren und Frauen höher. Die Maschine irrt sich nicht zufällig. Sie irrt sich strukturell.
Drei Milliarden Fotos wurden aus dem Netz gekratzt. Jetzt sind es über zehn. Die Sammlung wächst, die Aufsicht hinkt. Ob die EU-Gesetze greifen, bevor die nächste Milliarde hinzukommt, bleibt offen. Unklar ist auch, welche Sicherheitsbehörden in Europa bereits mit der App arbeiten — wer Aufträge vergibt, wer Verträge schließt, wer die Rechnung bezahlt.
Die Drähte summen. Ich höre mit.