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PALANTIRS SEHSTEINE — WER BLICKT IN WELCHE DATEN?

5. Juli 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

Palantir. Der Name klingt nach Fantasy, nach Mittelerde. Aber die Steine, die diese Firma trägt, sind echt — und sie sehen zurück.

Die Drähte summen. Eine neue Ausschreibung erlaubt den Einsatz von KI und Datamining. Palantir erhält Zugang zu sensiblen öffentlichen Systemen in Europa — Daten von Behörden, Meldeämtern, vielleicht bald von Polizei und Sozialkassen. Die Plattform Gotham ermöglicht es Strafverfolgungsbehörten, detaillierte Profile und soziale Netzwerke zu erstellen. Schnell. Umfassend. Quervernetzt.

Sicherheitsvorteile, sagen die Befürworter. Datenschutzbedenken, sage ich — und nicht nur ich. Kritiker nennen Palantir einen globalen Überwachungs-Datenkraken. Das ist kein Schlagwort, das ist Beschreibung. Das System verbindet komplexe Daten in Sekunden und macht sie analysierbar. Besonders attraktiv für Regierungsorganisationen. Besonders gefährlich ohne Kontrolle.

Die historische Analogie liegt auf der Hand. Die Palantíri aus Tolkiens Mittelerde waren Sehsteine, mächtige Werkzeuge, die missbraucht wurden, weil niemand die Blicke zählte. Wer hineinsah, konnte ferne Orte sehen — aber auch gesehen, gelenkt, manipuliert werden. Heute trägt eine US-Firma diesen Namen und baut genau solche Steine nach. Nur ohne die Warnung im Märchen.

Die Frage, die ich auf jeder Frequenz höre: Wer kontrolliert das? Wer profitiert? Wer zahlt den Preis? Die Antworten sind bisher dünn. Die Verträge mit Palantir müssen dringend überprüft werden — nicht in Hinterzimmern, sondern öffentlich. Transparenz und demokratische Kontrolle sind keine Phrasen für Wahlkampfplakate. Sie sind das Einzige, was zwischen Werkzeug und Waffe unterscheidet.

Ein Lichtsignal aus dem Süden: Baden-Württembergs Regierungsparteien planen, bis 2030 eine europäische Alternative bereitzustellen. Digitale Souveränität nennen sie das. Ein notwendiger Schritt. Aber das Jahr 2030 ist noch fern. Bis dahin fließen Datenströme über Server, die nicht unter europäischem Recht stehen.

Ich übersetze: Wenn eine Firma ohne jede demokratische Legitimation Zugriff auf die intimsten Daten einer Bevölkerung erhält, ist das keine Technikfrage. Es ist eine Machtfrage. Und Macht, die niemand prüft, wird benutzt. Früher oder später. Die einzige Frage ist: Wer sieht hin, wenn wir es nicht tun?

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