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Sieben Milliarden und einundzwanzig Jahre Schweigen

6. Juli 2026 — — — Ida Feuerbach

Monsanto kauft sich frei. Sieben Komma zwei fünf Milliarden Dollar, gestreckt über einundzwanzig Jahre — das ist die Rechnung, die der Konzern zahlt, um die Klagen um Glyphosat, Markenname Roundup, zu begraben. Aktuelle Verfahren. Zukünftige. Alle unter einer Decke.

Wer profitiert? Zuerst Monsanto. Dann die Kanzleien, die aus jeder Klage eine Abrechnung formen. Dann die Aktionäre, denen die Bilanz geschönt wird. Wer verliert? Die Bauern. Die Felder. Die Familien, die zwischen Aktenordnern verschwinden.

Diese Vereinbarung steht nicht allein. Sie ist Teil einer mehrgleisigen Strategie. Hebel eins: die Überprüfung durch den US Supreme Court, die den Präzedenzfall formen soll. Hebel zwei: der Vergleich selbst, der den Druck aus den Verfahren nimmt. Hebel drei, unten in Europa: das Schiedsverfahren zwischen Bayer und BASF, das wegen formaler Mängel neu aufgerollt wurde. Der ursprüngliche Schiedsspruch war zugunsten von Bayer. Nun ist er weg. Und „weg" heißt in diesen Akten: weiterverhandeln, weiterstreuen, weiter wachsen lassen auf Boden, der nicht mehr den Händen gehört, die ihn bestellen.

In Deutschland genehmigt das BVL, das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Roundup Future mit der vollen Dosis — 1,6 Kilogramm Glyphosat pro Hektar. Gleichzeitig klagt die Deutsche Umwelthilfe gegen die Zulassung. Krebsverdacht. Umweltschäden. Risiken, die niemand ausschließen kann. Die EU verweist auf über 180.000 Seiten wissenschaftlicher Bewertung. Achtzehntausend Seiten. Das klingt nach Gründlichkeit. Es klingt auch nach Akten, die niemand liest, auf dem Feld, das gespritzt wird.

Glyphosat wird den europäischen Markt wahrscheinlich bald verlassen. Das schreiben die Berichte, die zwischen den Vergleichen liegen. Was bleibt, ist die Maschine: ein Wirkstoff, der über Jahrzehnte Felder trägt, Bauern in Ketten legt, Krebsrisiken sät und am Ende mit einem Vergleich gelöscht wird, der sich länger streckt als ein Leben auf dem Hof. Monsanto? Für den Konzern ist Glyphosat ein bedeutendes Produkt. Sein Rückzug wiegt. Aber man wiegt ihn ab in Raten. Einundzwanzig Jahre lang.

Unklar bleibt, wer die Rechnung am Ende wirklich trägt. Die Struktur ist sichtbar: drei Hebel, ein Vergleich, ein Amt, das genehmigt, eine Klage, die klagt. Was bleibt, ist die Erde. Die fragt nicht, wer unterschrieben hat.

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