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Indien öffnet die Tür. Wer trägt den Schlüssel?

6. Juli 2026 — — — M. Silber

96,6 Prozent. So viele europäische Waren sollen künftig zollfrei oder zollermäßigt nach Indien fließen. Die Zahl steht in den Anlagen, die Brüssel unterschrieben hat. Sie steht nicht auf den Plakaten.

Was die Konferenzen sagen: Indien gewährt Zollsenkungen, die es anderen Handelspartnern nicht gewährt. Was sie nicht sagen: was diese Einzigartigkeit politisch bedeutet. Wer hat den Preis bezahlt — und wer zahlt noch.

Die europäische Industrie, sagt man. Die Lebensmittelwirtschaft, sagt man. Konkret: wer bereits drin ist. Konzerne mit Sitzen in Mumbai und Bangalore, die seit Jahren auf diese Tür gewartet haben. Erzeuger, deren Bücher auf Kante genäht sind und die jetzt rechnen dürfen.

Bis 2032 sollen sich die EU-Warenausfuhren nach Indien verdoppeln. So steht es im Abkommen. 96,6 Prozent der EU-Waren — Zölle gesenkt oder abgeschafft. Eine Quote, hinter der ein Kontinent verschoben werden soll.

Was nicht in den Konferenzen steht: was Indien im Gegenzug nimmt. Vermutlich pharmazeutische Schutzrechte. Vermutlich Datenflüsse. Vermutlich Dienstleistungsmärkte. Die indische Verhandlungsposition war hart. Sie ist es immer.

Und hier beginnt das, was die offenen Akten nicht hergeben.

Wer profitiert? Die Anlagen kennen die Namen — Branchen, deren Briefe monatelang in den Schubladen lagen und nun ans Licht kommen. Wer verliert? Jene Handelspartner, denen diese Senkungen verwehrt bleiben. Wer verschweigt? Die Verhandlungsprotokolle, deren Veröffentlichung weiter offen ist. Unklar bleibt, welche konkreten Gegenleistungen Indien tatsächlich gesichert hat.

Welche Struktur trägt das Ganze? Eine Handelspolitik, die nach außen auftritt wie ein Konzern — ein Mandat, eine Stimme, eine Unterschrift. Nach innen zerlegt in Ministerien, in Fraktionen, in nationale Eitelkeiten, die sich beim nächsten Gipfel streiten, wer wie viel vom Kuchen erhält.

Die Zollpapiere sind unterzeichnet. Die Rechnungen sind es noch nicht.

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