Die saubere Lüge: Wie UER-Zertifikate zu Schuldscheinen werden
Ich habe in Texas gelernt, wie ein Trick funktioniert. Jemand verspricht dir einen Brunnen. Du bezahlst. Er bohrt ein Loch in die Luft, füllt Wasser rein und verkauft es als Quelle. UER-Zertifikate funktionieren genauso.
Upstream Emission Reduction soll Konzernen erlauben, ihre Emissionen anderswo zu kompensieren. Klingt sauber. Ist es nicht. Das Umweltbundesamt hat Strafanzeige wegen Betrugs erstattet. Mindestens ein Viertel aller UER-Projekte in China beruht auf falschen Angaben. Ein Viertel wurde gar nicht genehmigt, weil die Daten nicht stimmen. Das ist keine Panne. Das ist die Struktur.
Wer zahlt? Du. Die Verbraucher tragen die Kosten für diese Zertifikate — über jeden Preis, den sie zahlen. Sie finanzieren eine Maschine, die nicht mal im Ansatz kontrolliert wird. Wer profitiert? Flowcarbon hat sich gerade 70 Millionen Dollar von Krypto-Investoren geholt. Das Ziel: Transparenz im CO2-Handel durch Blockchain. Klingt nach Lösung. Riecht nach Goldgrube. Wer Blockchain in einen Markt bringt, braucht ein funktionierendes System. Was, wenn das System selbst faul ist? Dann macht man den Betrug nur schneller. Dann digitalisiert man das Schweigen.
Das Northern Rangelands Trust-Projekt in Kenia zeigt, was am anderen Ende der Leitung passiert. Indigene Gemeinschaften müssen informiert sein und zustimmen. Es fehlt an Beweisen, dass sie es wurden. Das Projekt könnte ihre Lebensweise zerstören, ihre Ernährung gefährden. Wer wurde gefragt? Wer wurde übergangen? Wer hat unterschrieben, dass sie unterschrieben haben?
Das ist die Frage, die keiner stellt. Solange Konzerne verkaufen, Verbraucher zahlen und Investoren einsteigen, läuft die Maschine. Stabil für wen? Nicht für die Menschen im Schlamm von Kenia. Nicht für die, die an der Kasse den Preis tragen.
Klimaschutz ist keine Ware. Aber jemand hat ihn dazu gemacht. Und dieser Jemand sitzt nicht im Schlamm. Der sitzt im Boardroom.