DAS KOHLENSTOFFLOCH: WER ZAHLT FÜR SAUBERE BILANZEN?
Die Zahlen sind gemacht. Die Bilanzen sind gewaschen. Und irgendwo in den Hauptstädten des Nordens klingelt eine Kasse, deren Klang niemand hören will.
Vier Jahre Felder, vier Jahre Staub im Haar. Jetzt lese ich Zahlen, weil die Erde keine Sprache mehr hat außer Zahlen. Die Wahrheit liegt vergraben in Klimabilanzen, die so sauber aussehen wie poliertes Blei.
Das Geschäft beginnt beim Klimaschutz und endet beim Carbon Leakage, dem Kohlenstoffloch. Rund ein Viertel der globalen Emissionen wandert in exportierten Gütern über Grenzen, die niemand kontrolliert. Großbritannien hat seine heimischen Emissionen gesenkt, die USA auch. Aber addiert man die Importe, steigen die Zahlen weiter. Die Luft ist nicht sauberer – sie wurde nur woanders ausgeatmet.
Hier beginnt das Schweigen der Reichen. Sie exportieren Fabriken, importieren Verschmutzung, nennen es Fortschritt. Das ist Buchführung.
Die EU bastelt am CBAM. Klingt nach Klima. Riecht nach Protektionismus. Kritiker sehen die WTO-Grenzen getestet, Handelskonflikte vorprogrammiert. Doch wer schützt hier wen? Die europäischen Unternehmen, die der Mechanismus schützen soll, könnten unter der eigenen Last ersticken.
Die Kommission will bis 2030 die globalen Emissionen fast halbieren, um die 1,5-Grad-Linie zu halten. Das ist kein Ehrgeiz, das ist Physik. Das Gesetz der Physik kümmert sich nicht um Bilanzen.
Und die Armen? Länder des Globalen Südens, die Kohlenstoffsteuereinnahmen erhalten sollen, sind oft selbst Kapitalexporteure, durchsiebt von multinationalen Konzernen, ausgehöhlt von Korruption. Wohin das Geld fließt, bleibt offen. Ob es je an den Feldern ankommt, an denen die Hitze zuerst stirbt, ist ungeklärt.
Regressiv war die Kohlenstoffsteuer, als man sie diskutierte. Einkommenszuschüsse für die Schwächsten wurden versprochen. Versprechen sind billig. Saubere Luft ist es nicht.
Die Erde kennt keine Grenzen, keine Bilanzen, keine Schutzmechanismen. Was ihr an einem Ort genommen wird, atmet sie anderswo wieder ein.
Und Wasser, das hier verdampft, fällt anderswo als Regen.