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Die Akte AstraZeneca — was die EMA nicht bestätigt

6. Juli 2026 — — — Dr. L. Rath

Charge Null, Schuld undefined. So hätte der Befund lauten müssen, so klingt er auch jetzt noch, Wochen nach dem ersten Aufschrei. Der PRAC, der Risikobewertungsausschuss der Europäischen Arzneimittelbehörde, hat den seltenen Thrombosen nach AstraZeneca-Impfungen seine Aufmerksamkeit geschenkt — das ist die höfliche Formulierung. Die andere lautet: Es gab Tote, und niemand wollte ausschließen, dass die Spritze daran beteiligt war. Einen Qualitätsmangel indes hat die Behörde nicht bestätigt. Bestätigt wurden stattdessen ischämische Schlaganfälle, ausgelöst durch Blutgerinnsel in den Arterien. Genau diese Fälle hatten das Paul-Ehrlich-Institut und die EMA überhaupt erst bewogen, die Impfungen vorübergehend auszusetzen — auf Empfehlung, nicht aus eigenem Antrieb.

Die Medizin spricht von spezifischen Labortests und einem multidisziplinären Behandlungsansatz. Fein. Die Machtfrage lautet anders: Wer hat das Studien-Design, wer hat die Daten, wer hat sie wann gesehen? Das US-Institut NIAID hat Bedenken angemeldet, weil AstraZeneca veraltete Daten in die Wirksamkeitsstudie einspeiste. Das Unternehmen korrigierte daraufhin seine eigene Zahl — von 79 auf 76 Prozent Wirksamkeit gegen symptomatische Infektionen. Drei Prozent. Klingt nach Rundung, ist nach Glaubwürdigkeit. Welche Zahlen noch in den Archiven schlummern, die niemand sieht, bleibt offen. Und offen bleibt ebenso, wer wann wusste, dass die Daten veraltet waren.

Parallel das politische Theater: Die einen werben für AstraZeneca, um Vertrauen zu schaffen — ein Vertrauen, das nie auf dem Spiel gestanden hätte, wäre der Beipackzettel je lesbar gewesen. Die anderen geißeln die Aussetzung als Panikmache. Beide Seiten vergessen, dass Patienten kein Vertrauen brauchen, sondern Information. Die EMA sagt: keine Hinweise auf bestimmte Chargen oder Herstellungsorte. Das ist beruhigend. Oder ein Alibi. Es kommt darauf an, wer gezählt hat.

AstraZeneca verdient an jeder Dosis. Ich benenne den Mechanismus, nicht den einzelnen Manager. 1937 wie heute: Jemand verdient an der Krankheit. Diesmal ist es die Angst vor ihr.

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