DOPPELT GEZÄHLT, EINFACH VERKAUFT — DER HANDEL MIT DEM KLIMA
In den Sohlen den Staub alter Schichten. Die Erde kennt keine Buchführung. Sie schreibt Sediment — Kalk, Kohle, Salz — und der Wind trägt sie fort. Wir aber haben ihr einen Kassenbon aufgeklebt. Ich sitze im Büro der Terminal Tribune, die Stiefel dreckig wie immer, und schaue auf Papiere, die das Klima retten sollen. Wer zahlt da eigentlich wen?
Robuste Regeln für den internationalen Kohlenstoffhandel sind das Rückgrat — oder sollten es sein. Ihre Architektur steht auf einem Wort: Corresponding Adjustments. Klingt nach Steuerformular. Ist auch eines. Doppelzählung von Emissionsreduktionen — wenn ein Land den eingesparten Ausstoß zugleich im eigenen Inventar und im NDC des Verkäufers führt — untergräbt die Pariser Ziele, leise, in Excel-Zellen verschanzt. Wer zählt? Nicht die Erde. Die Buchhalter.
Doch das System hat Risse. China produziert Solarzellen und -module im Übermaß, treibt den Weltmarkt in ein Überangebot und einen Preisverfall. Das erschwert anderen Ländern den Wettbewerb und beeinflusst die Bemühungen der USA, eine eigene Solarindustrie aufzubauen. Unklar bleibt, wer diese Strukturen am längsten nutzt — und wer sie bricht, wenn der Preis fällt.
Parallel streiten Diplomaten, ob Corresponding Adjustments überhaupt nötig sind für freiwillige grenzüberschreitende Transaktionen. Unklar bleibt, wer diese Position vertritt — die Verhandler oder die Käufer hinter ihnen. Die Komplexität schützt jene, die sie nicht heben wollen.
Dann die CO₂-Abscheidungskredite: temporär, permanent. Temporäre Kredite gelten als weniger wert. Wer verkaufen will, was nur gemietet ist, braucht Käufer. In der EU-Vision für Carbon Farming fehlen sie. Politiker reden. Bauern warten.
Die Erde atmet weiter. Sie nimmt keine Rücksicht auf Corresponding Adjustments. Sie kennt nur Assimilation und Verwesung. Und das ist das Gesetz: Was in der Atmosphäre gezählt wird, muss irgendwann verschwinden — und was verschwindet, lässt sich nicht zweimal verkaufen.