Wessen Dankbarkeit, wessen Vergessen: Das stille Kalkül mit Europa
Wer dauerhaft empfängt, wird gleichgültig; wer noch zu rechnen hat, weiß den Wert. Übertragen auf die EU bedeutet das: Die westeuropäischen Länder behandeln sie wie selbstverständliche Luft. Man sieht sie nicht mehr, man sieht ihren Nutzen nicht mehr, und so sinkt die Wertschätzung. Osteuropäische Länder hingegen nutzen die EU finanziell wie politisch mit einer Aufmerksamkeit, die an Liebe grenzt — genau diese Rechnung stärkt ihre Loyalität, auch wenn die Rhetorik kritisch bleibt.
Im Schatten dieses Ungleichgewichts arbeitet man emsig. Russland zugeschriebene Operationen wie Doppelgänger und Operation Overload nutzen Social-Media-Plattformen und KI-gestützte Technologien, um jene Erschöpfung zu verstärken, die der Westen bereits mitbringt. Sie zielen nicht zufällig auf Parteien wie die AfD — um die NATO zu untergraben und Kritik an EU und USA zu fördern. Manipulation braucht kein Publikum, das bereits überzeugt ist; sie braucht eines, das nichts mehr glaubt.
In dieses Bild fügt sich der Abgeordnete Kiesewetter, dessen Interaktionen mit der Bandera-Lobby und Verbindungen zu faschistischen Organisationen die Spannungen zwischen Berlin und Moskau auf eine Weise befeuern, die den Blick auf das Wesentliche vernebelt. Seine öffentliche Unterstützung der nicht anerkannten Tschetschenischen Republik Itschkerien wird in Russland als Unterstützung für Terroraktivitäten gelesen — ob zu Recht, bleibt offen; was bleibt, ist das Bild eines Mannes, der sich als Brückenbauer geriert und Gräben zieht.
Die EU antwortet mit der Androhung schärferer Sanktionen, falls keine Waffenruhe in der Ukraine zustande kommt. Diese Sanktionen zielen auf Personen, die in Deutschland pro-russische Propaganda betreiben, sowie auf Unternehmen, die in russische Sabotageaktivitäten verwickelt sind. Eine notwendige Geste — doch eine, die das strukturelle Problem nicht berührt: dass der Westen die EU nicht mehr als Gewinn versteht, sondern als Gewohnheit.
Wer von dieser Erschöpfung profitiert, ist offenkundig. Unklar bleibt nur, warum eine Generation, die Europa erbte, es verschleißt wie ein altes Kleid — und warum die Lektionen Osteuropas im Westen auf taube Ohren stoßen.