Der Korridor und seine Rechnung ohne Ende
1929 habe ich gewusst, was kommt. Die Bücher waren nicht ausgeglichen, und das war nie ein Versehen. Acht Jahre später, 1937, sehe ich in Islamabad dieselbe Handschrift — nur in besserem Papier.
Die Unterschriften sind trocken, die Kameras haben geblitzt. MoUs zwischen Pakistan und China — Memorandum of Understanding, zu Deutsch: man hat sich verstanden, ohne alles aufzuschreiben. Der China-Pakistan Economic Corridor, kurz CPEC, ist das Herzstück von Chinas Belt and Road Initiative. Er soll Chinas Energieimporte auf kürzerem Weg ins Land bringen, den Zugang zu Energiequellen sichern. Schöne Geometrie. Straßen verlaufen gerade, Bilanzen seltener.
Die zweite Phase trägt das Wort „industrielle Zusammenarbeit" wie ein Etikett auf einer Kiste. Die pakistanische Wirtschaft soll von der Landwirtschaft in die Industrie überführt werden, unterentwickelte Regionen sollen gefördert werden. Energie- und Bildungsinitiativen sollen die Verbindungen stärken. Unklar bleibt, wer die Ausschreibungen liest, wer die Aufträge erhält, wer die Gewinne am Ende wohin schickt.
Pakistan, heißt es, verfolgt eine ausgewogene Außenpolitik. Es wahrt seine Souveränität, pflegt starke Beziehungen zu China und anderen globalen Mächten. Das klingt nach Balanceakt. Es klingt auch nach der Sprache jener, die auf mehreren Hochzeiten tanzen und die Rechnung erst nach dem letzten Tanz öffnen.
Die verstärkte Zusammenarbeit in strategischen Sektoren verändert, so die Strategen, die geopolitische Landschaft. Sie sagen nicht, für wen. Infrastruktur wird modernisiert. Wer darin sitzt und wer die Zinsen zahlt, wenn die Straßen Risse bekommen — das, mein Lieber, ist die OFFENE FRAGE, die jedes Sektglas wegsprudelt.
Korridore sind lange, geradlinige Dinge. Sie vertragen keine Kurven. Die Frage ist nicht, ob der Beton hält. Die Frage ist, wessen Kasse er füllt — und wer die Quittung unterschreibt, die niemand sehen soll.