An der Grenze wird abgerechnet
Sie nennen es Klimaschutz. Ich nenne es eine Mauer, an der jemand verdient. Die EU baut sich einen neuen Zoll — einen CO2-Zoll, der Importware aus Ländern mit niedrigeren Umweltstandards treffen soll. Klingt sauber. Riecht nach Steuer.
Seit 2005 läuft der europäische Emissionshandel. Er deckt fast die Hälfte aller Treibhausgase hier ab. Er hat die Emissionen gesenkt, sagen sie. Die Reform 2024 soll den ETS ausweiten, neue Sektoren einsaugen, die Ziele bis 2030 deutlich nach oben schrauben. Klingt nach Fortschritt. Riecht nach Bürokratie mit Gewinnabsicht.
Aber ich erinnere mich. Joint Implementation — JI. Das waren die Zeiten, als gefälschte Zertifikate durch die Bücher wanderten und zusätzliche Emissionen ermöglichten, statt sie zu verhindern. Der Mechanismus hat die Klimaziele untergraben. Wer damals kassiert hat? Unklar bleibt, welche Akteure konkret profitierten. Die EU selbst spricht heute von dringendem Bedarf an internationalen Kontrollen, einheitlichen Regelungen gegen Betrug. Schön. Aber warum erst jetzt?
Der CO2-Grenzausgleich ist das nächste Spielfeld. Er soll europäische Unternehmen schützen — vor Billigimporten, vor Dumping, vor Konkurrenz, die sich keine Filter leistet. Klingt gerecht. Aber es bedeutet auch: Der Preis wandert an die Grenze. Und wer an Grenzen sitzt, hat schon immer verdient.
Gleichzeitig will die Reform die Energiepreise senken. Politisch umstritten, heißt es. Natürlich ist es das. Senkt man Preise, verlieren Aktionäre. Hält man sie hoch, verlieren Wähler. Die Verlierer stehen nie in den Protokollen der Vorstandssitzungen.
Und dann die Zahl: 400 Euro pro Tonne CO2 bis 2040. Manche Analysten halten das für möglich. Bei dieser Marke, sagen sie, leidet die Liquidität am Markt. Der Markt wird dünn. Große Spieler kaufen, kleine verschwinden. Das ist kein Klima. Das ist Markt.
Ich trinke Bier. Aus Prinzip. Aber eines sage ich Ihnen: Wenn ein Zoll an der Grenze die Welt retten soll, fragen Sie immer zuerst, wer den Zoll kassiert. Die Grenze ist kein Zufall. Sie ist ein Geschäft.