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Goldgrün: Das Geschäft mit dem Gewissen

6. Juli 2026 — — — Doc Brenner, irgendwo im Staub

Die Erde hat ein Gedächtnis aus Stein. Sie vergisst nichts — jeden Regen, jeden Raubbau, jede Lüge, die man über sie erzählt. Und jetzt, 1937 in unserem Finanzkapital, wird wieder eine Geschichte aufgetischt, die nach Tugend riecht und nach Geld schmeckt. Die Einzelanleger, einst das romantische Fußvolk der Märkte, haben ihre Stimmen denen der Institutionen angeglichen. Was einst Altruismus war — der Glaube, mit dem Sparbuch die Welt zu retten — ist verwundbar geworden. Nicht weil das Geld schlecht wurde, sondern weil das Versprechen brüchig wurde. Frühere Begeisterung für ESG-Investitionen hat sich verlagert. Weg vom guten Gefühl, hin zum klaren Blick auf Risiken, Zeitrahmen, Bilanzen. Die Maschine will keine Moral, sie will Klarheit. Die SEC, Hüterin amerikanischer Marktordnung, mahnt: Investmentberater müssen ihre eigenen ESG-Richtlinien und -Verfahren einhalten, um Investoren korrekte Informationen zu liefern. Ein einfacher Satz. Ein gewaltiger Sprengsatz. Denn als die Aufseher bei Goldman Sachs Asset Management nachsahen, fanden sie das Gegenteil: eigene Richtlinien nicht konsistent befolgt, eine Strafe folgte. Das Geldhaus, das die Welt beraten will, berät sich selbst nicht richtig. Die Frage, wer hier wen betrog, steht im Raum. Aus Indien kommt unterdessen ein anderes Signal: Der Schatzmeister des Landes hat eine Aktion gestartet, die wachsende Skepsis gegenüber der Authentizität von ESG-Bemühungen großer Finanzinstitutionen verrät. Der Vorwurf richtet sich gegen BlackRock, das größte Vermögensverwaltungsunternehmen der Welt. Ein Riese, dem man vorwirft, sein grünes Versprechen nicht einzuhalten. Wer profitiert, wenn das Vertrauen schmilzt? Wer verschweigt, dass Nachhaltigkeit längst zur Bilanzkosmetik wurde? Noch brennen Lichter anderswo: Deutschland reformiert seine Energiepolitik, der Inflation Reduction Act in den USA pumpt Milliarden in erneuerbare Energien. Und der Krieg in der Ukraine hat schonungslos offengelegt, wie abhängig viele Länder von russischem Öl und Gas sind — eine Abhängigkeit, die jetzt ESG-Ziele neu bewertet. Die Erde schreibt mit. Wir übersetzen nur.

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