Glyphosat als Staatsräson: Was hinter Washingtons Segen für Bayer steht
Die US-Regierung erklärte Glyphosat als unverzichtbar. Für Ernährungssicherheit. Für militärische Zwecke. Wer hat das beantragt? Wer hat es geprüft? Die Antwort liegt offen auf dem Tisch der Macht: Bayer. Der Konzern, der Monsanto verschluckte, sitzt nicht mehr am Rand der Debatte. Er sitzt am Kopfende. Als Architekt des Wortes „unverzichtbar".
Brüssel hat 2016 keine einheitliche Entscheidung über die Wiederzulassung von Glyphosat getroffen — die Verzögerung folgte. Während dort der Tisch leer bleibt, ist er in Washington gedeckt. Europäische Länder und Konsumenten stehen Gentechnik in Lebensmitteln kritischer gegenüber als die USA. Das ist der Spalt, durch den das Geschäft fließt. Hier drüben, in den Städten, die das Feld nur als Brot im Regal kennen, gilt die Pflanze als neutral. Sie ist es nicht. Sie ist ein Vertrag — und wer den Vertrag schreibt, schreibt die Ernte.
Saatgut-Monopole, Landgrabbing — die Diskussion ist alt, doch jede politische Weichenstellung verstärkt sie. Änderungen in der EU-Politik zu gentechnisch veränderten Pflanzen könnten die Marktmacht von Agrarkonzernen wie Bayer stärken. Das ist die Mechanik, die niemand ausspricht. Wer das Tor öffnet, lädt den ein, der den Schlüssel schon besitzt.
Monsanto hat diesen Schlüssel gehalten. „Terminator"-Technologie — Samen, die sich nicht erneut aussäen lassen. Bauern, die jedes Jahr neu kaufen müssen. Das ist keine Landwirtschaft. Das ist Pacht auf Lebenszeit. Wer die Bedingungen dieser Pacht diktiert, besitzt das Feld, ohne je den Spaten gehalten zu haben.
Eine offene Frage bleibt: Welche juristischen Pfade öffnen sich, wenn ein Insolvenzverfahren Bayer hilft, Schadensersatzansprüche loszuwerden? Das Verfahren ist juristisch umstritten. Was es für die Bauern am Ende bedeutet, ist nicht geklärt.
Was bleibt, ist die Erde. Die Erde bleibt immer.