Das Versprechen vom goldenen Acker ist aus Löss und Lüge
Sie sagen: Wohlstand. Sie sagen: Arbeitsplätze. Sie sagen: Entwicklung. Was sie nicht sagen, ist, wessen Erde das war, bevor die Verträge unterschrieben wurden. Bevor die Zäune kamen.
Ich kenne das. Wenn ein Hof stirbt, stirbt er langsam. Erst das Saatgut, dann der Brunnen, dann die Wände. Landgrabbing funktioniert nicht anders, nur im Großen. Die behaupteten Vorteile — Reichtum, Arbeit, Fortschritt — sind in den Akten längst widerlegt. Was bleibt, sind Vertriebene und sozial Verelendete. Das ist die Bilanz.
Die Struktur trägt immer dieselben Hände. Korruption fettet sie. Gewalt schützt sie. Die Zahl der Toten unter jenen, die ihr Land verteidigen, steigt. Jeder Zaunpfosten steht auf einem verschwiegenen Grab. Wer profitiert? Die Investoren, die nie selbst pflügen. Die Banken, die Kredite auf Böden ausstellen, die niemand bestellt. Die Mittelsmänner, deren Unterschriften zwischen Dorf und Hauptstadt liegen wie Schatten auf dem Acker.
Die Zahl der Vorfälle steigt. Gleichzeitig scheitern viele dieser Großprojekte. Widerstand von unten. Wirtschaftliche Misserfolge. Schwierige Rahmenbedingungen, sagen die Gutachten — und verschweigen, dass sie immer schwierig waren. Was mit dem Acker geschieht, der einmal eingezäunt wurde, bleibt oft im Dunkeln. Geplante Nutzung, tatsächliche Nutzung — das klafft auseinander. Unklar bleibt, wer die Flächen am Ende wirklich bewirtschaftet.
Es gibt andere Wege. Wer nicht das Land selbst nimmt, nimmt das Saatgut, den Dünger, die Mühle. Die Kontrolle über Betriebsmittel und verarbeitete Agrargüter ist die sanfte Form der Aneignung. Sie kommt ohne Zäune aus. Sie hinterlässt keine Schlagzeilen, nur leere Mägen.
Und es ist nicht nur Afrika, nicht nur Südamerika. Auch in Europa. Auch hier. Die Karten, die in den Konferenzräumen hängen, kennen keine Grenzen des Kapitals, nur Grenzen des Gewissens. Die chinesischen Infrastrukturprojekte in Afrika sind oft schuldenfinanziert. Manche rechnen sich nicht. Aber solange die Schulden wachsen, wächst auch der Hebel. Über Häfen, über Schienen, über Felder.
Die Stadt redet von Preisen. Sie hat nie geerntet. Sie weiß nicht, was ein Feld wiegt, wenn man es verliert. Sie weiß nicht, wie ein Boden riecht, bevor er stirbt — nach Regen, nach Eisen, nach etwas, das man nicht mehr zurückholen kann.
Was bleibt? Die Erde. Die bleibt immer. Aber wem sie gehört, das wird gerade umgeschrieben.