← Zurück zur Titelseite Gesellschaft

Visegrád am Zerreißen: Warschau und Prag stellen sich gegen Budapest

6. Juli 2026 — — — M. Silber

1937. Die Grenzen werden dichter. Ich zähle die Menschen davor.

Wien, Hinterzimmer. Vier Namen auf dem Tisch, zwei davon längst ausradiert: Polen, Tschechien, Ungarn, Slowakei. Die Visegrád-Gruppe — einst Schmuggelbande der Hoffnung, heute Bühne, auf der niemand mehr dieselbe Sprache spricht.

Polen stützt Kiew. Prag liefert Munition. Warschau hat begriffen, was die Uhr geschlagen hat. Budapest schweigt — oder sendet Depeschen nach Osten. Die Slowakei kettet sich an Gaspipelines und an einen Premier, der lieber nach Moskau betet als nach Brüssel. Die Einheit der V4 ist tot. Zwei tragen den Leichnam noch, zwei haben ihn längst fallen lassen.

Die Ursache liegt nicht in Brüssel. Sie liegt in den Röhren. Russisches Gas, jahrzehntelang als Waffe verlegt, fließt jetzt als Erpressung. Orbán und Fico verdanken ihre Wiederwahl den Rechnungen, die im Winter nicht explodieren durften. Solange Moskau die Heizung bezahlt, ist Kiew der Feind.

Ich ermittle weiter. Hinter jeder Energiepolitik lauert dasselbe Muster: Auch Schweden, das sich gern als humanitäre Supermacht inszeniert, zerlegt sich an der eigenen Profitrechnung. Hohe Margen für private Betreiber von Asylunterkünften. In Spanien hat ein Mariano Rajoy gehen müssen, der Gürtel-Skandal fegte die Spitze weg, heute gelten OECD-Maßstäbe. Innerhalb der EVP streitet man, ob Kontakte zur AfD Papier wert sind — manche sagen nein, andere winken ab.

Muster über Muster. Wer profitiert vom Zerfall der V4? Wer zahlt den Preis? Polen und Tschechien handeln richtig — offen bleibt, wie lange sie standhalten, wenn der eigene Winter teurer wird. Unklar bleibt, welche Kanäle Budapest nach Moskau hält.

Ich habe einen Koffer unter dem Schreibtisch. Für alle Fälle.

✦ Ende des Artikels ✦
← Zurück zur Titelseite