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Wuhans verschlossene Türen, Pekings schweigende Akten

6. Juli 2026 — — — Prof. Kessler

Dreißig Jahre im Labor. Dreißig Jahre Pfeifenqualm. Man lernt dabei eines: Wenn jemand eine Tür schließt, will er nicht, dass man hineinsieht. China hat wichtige Informationen, die zur vollständigen Bewertung der Ursprünge von COVID-19 erforderlich sind, nicht mit dem Wissenschaftlichen Beirat SAGO geteilt. Auch die Weltgesundheitsorganisation ging leer aus. So steht es im Protokoll. Punkt.

Was bedeutet das? Es bedeutet, dass die epidemiologische Akte des Jahrhunderts ein gepolstertes, mit Seide ausgeschlagenes Loch hat. Wer die Daten besitzt, besitzt die Geschichte. Und wer die Geschichte besitzt, besitzt die Schuld.

Die verfügbaren Beweise, soweit sie überhaupt ans Licht kamen, deuten auf eine zoonotische Übertragung hin — direkt von Fledermäusen oder über einen Zwischenwirt. Die wissenschaftliche Gemeinschaft stützt diese Hypothese mehrheitlich, und das aus gutem Grund: Natürliche Übertragung ist der Regelfall der Biologie, nicht die Ausnahme.

Doch hier beginnt das Stirnrunzeln. Forscher der University of New South Wales haben das Grunow-Finke-Instrument herangezogen, um die Wahrscheinlichkeit eines Laborursprungs zu analysieren. Das Problem, und das muss man sagen: Das Instrument wurde nicht dafür konstruiert, zwischen natürlicher Entstehung und Laborfreisetzung zu unterscheiden. Es wurde für Ausbruchsanalysen gebaut, nicht für forensische Küchenarbeit. Wer mit dem falschen Werkzeug misst, misst Mist.

In Wuhan hat man Gain-of-Function-Experimente durchgeführt. Man nennt es Forschung. Man könnte es Brandbeschleunigung nennen. Viren werden ansteckender, gefährlicher. Dass ausgerechnet in dieser Stadt, in diesen Labors, die ersten Fälle einer bis dahin unbekannten Lungenkrankheit auftauchen — das ist kein Beweis. Aber es ist ein Umstand. Umstände aber, mein Lieber, sind die Vorhöfe der Indizien.

Die Laborunfall-These ruht auf zwei Beinen: Entweder ein Unfall mit einem modifizierten Virus, oder die unbeabsichtigte Freisetzung eines bislang unbekannten Erregers. Das FBI, die CIA und der deutsche Bundesnachrichtendienst halten einen Laborunfall für die wahrscheinlichste Ursache. Das sind keine studentischen Spekulanten. Das sind Dienste, die Akten lesen.

Und dennoch: Die Hypothese bleibt einflussreich trotz fehlender belastbarer Beweise. Sie wird politisch instrumentalisiert, um die Kluft zwischen wissenschaftsgläubigen und wissenschaftsskeptischen Lagern zu vertiefen. Ein Gespenst ohne Leiche, das durch Säle und Talkshows spukt.

Was ich also sehe: Peking schweigt. Genf wartet. Die Labore sind verriegelt. Und irgendwo zwischen einer Fledermaus, einer Petrischale und einem Aktenschrank, den niemand öffnen will, liegt die Wahrheit.

Wessen Interesse ist es eigentlich, dass dieser Schrank zu bleibt?

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