Saubere Hände, zahlende Finger: Was die EMA-Reform nicht beantwortet
Brüssel reformiert, Brüssel verspricht. Die neue Gesetzgebung soll die Förderung von Innovationen modernisieren, die Bewertung von Arzneimitteln vereinfachen und die wissenschaftlichen Ausschüsse der EMA neu strukturieren. Digitalisierung, Effizienz, schlankere Verfahren — der Katalog klingt wie eine Pressekonferenz im Art-déco-Saal: viel Chrom, wenig Substanz.
Doch der Ermittler blickt hinter die Fassade, und dort wird die Sprache plötzlich dünn. Die Europäische Kommission übernimmt die Kosten des Verfahrens. D & A Pharma übernimmt die Kosten der EMA. Wer das bezahlt, prüft. Wer prüft, wird bezahlt. Das ist kein neuer Wind. Das ist ein altes Gefälle, nur digitaler verpackt.
Unterdessen hob ein Gericht die Entscheidung der Kommission auf, die Marktzulassung für Hopveus – Natriumoxybat zu verweigern. Ein leiser Sieg, sichtbar nur jenem, der den Beipackzettel überhaupt aufschlägt. Das Urteil zeigt dennoch: Auch die Aufpasser werden befragt. Die laufenden Zulassungsempfehlungen betreffen neuartige Therapien ebenso wie Behandlungen seltener Erkrankungen — jene Nischen, in denen Märkte klein und Preise hoch sind, in denen jeder Buchstabe im Bescheid ein Vermögen bewegt.
Mehrere neue Arzneimittel werden für spezifische Indikationen empfohlen. Fortschritt, sagt man. Sicher. Doch Fortschritt braucht Wächter, die nicht zugleich Kunden sind. In Washington hat Robert Kennedy Jr. den ACIP neu besetzt, um Interessenkonflikte zu vermeiden und die Unabhängigkeit der Entscheidungen zu sichern. Ein Echo, das nach Brüssel wandert. Die Frage steht offen: Bestehen ähnliche Interessenkonflikte bei der EMA oder beim ECDC — und wie werden sie gehandhabt? Die Reform antwortet mit Schlagworten. Saubere Hand, digitales Verfahren, modernes Komitee. Saubere Hände erwähnt sie nicht.
Modernisierung, heißt es, schaffe Klarheit. Wir antworten: Klarheit ist keine Garantie — sie ist nur sichtbar, wenn jemand hinsieht. Wir sehen hin. Wir benennen, wer zahlt. 1937 verdiente jemand an der Krankheit. Heute verdient jemand am Verfahren, das die Krankheit heilen soll. Wir notieren die Namen.