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Bienengift im Aktenkoffer: Brüssel verbietet und exportiert weiter

6. Juli 2026 — — — Ida Feuerbach

Die Akten liegen auf dem Tisch. Was sie sagen, ist unsauber. Die EU hat Regeln eingeführt, die den Import von Nahrungsmitteln mit Spuren jener Insektizide verbietet, die sie selbst weiterhin exportiert. Ein Schritt vor, ein Schritt zurück. So sieht Politik aus, wenn sie sich selbst nicht kennt.

Neonikotinoide. Ein Wort wie ein Stein im Brot. In der EU fast vollständig verboten, aber weiterhin exportiert. Was hier nicht auf den Acker darf, wird anderswo auf den Acker gesprüht. Bienen sterben hier, Bienen sterben dort — die Adresse wechselt, der Schaden bleibt. Wer profitiert? Die Hersteller.

Der Europäische Gerichtshof hat bestätigt: Mitgliedstaaten dürfen keine Ausnahmen vom Verbot bienenschädlicher Pestizide gewähren, nicht einmal in Notsituationen. Ein Urteil, klar wie ein Pflug. Und doch: Trotz des Verbots von 2018 haben Mitgliedstaaten Ausnahmen durchgesetzt. Die Not, sagen sie. Welche Not? Wer die Not ausruft, schreibt sich die Erlaubnis selbst.

Die EU-Kommission hat die Rückstandshöchstwerte auf das niedrigste technisch feststellbare Maß gesenkt. Sauber gedacht, halbherzig gemacht. Denn was nützt der niedrigste Wert, wenn das Gift anderswo weiterläuft? Die Struktur ist alt: verbieten, was die eigene Kontrolle stört. Durchwinken, was das Geschäft trägt.

Deutschland plant Notfallzulassungen. Frühere politische Positionen? Eingeklappt wie ein Taschenmesser unter Druck. Die Linie, die gestern noch Haltung war, wird morgen zur Verhandlungsmasse. Unklar bleibt, wer diesen Druck in Berlin aufbaut — Lobby, Händler, oder die Gewohnheit eines Marktes, der sich nicht stören lässt.

Das Verbot dieser Pestizide ist Teil eines größeren Umbaus: Landwirtschaft umweltfreundlicher, Nahrungsmittelproduktion nachhaltiger. So steht es auf dem Papier. Auf dem Feld sieht es anders aus. Rumänien steht in der Kritik, die EU-Verordnungen zu Neonikotinoiden nicht einzuhalten. Ein Bruch, der das System zeigt: wo Kontrolle fehlt, wächst das, was verboten ist.

Ich nenne es das, was ich kenne: der gleiche Trick, mit dem seit jeher die Felder ausgepresst werden. Hier ein Verbot zur Beruhigung der Städte. Dort ein Export zur Beruhigung der Bilanzen. Das Gift wandert, der Profit bleibt.

Was bleibt: ein halbgares Verbot, ein offener Markt, und die Frage, wem das Feld gehört — der Biene, dem Bauern, oder dem, der den Sack mit dem Saatgut füllt.

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