ZWISCHEN DRÄHTEN UND ALGORITHMEN — wer entscheidet über Tod und Daten
Die Drähte summen anders heute. 1937 hörte ich Morsezeichen — gleichmäßig, von einer Hand gesendet. Heute höre ich Datenpakete quer durch Kontinente, sortiert von Algorithmen, die niemand gewählt hat. Es geht um tödliche autonome Waffensysteme, und um alles, was drumherum wächst: dieselbe Logik, dieselbe Hand am Hebel.
Das EU-Parlament fordert ein Verbot von Massenüberwachung und Social Scoring durch öffentliche Stellen. Gut. Aber Verbote sind Telegramme, die veralten, wenn niemand die Frequenz besetzt. Der EU AI Act verbietet KI als schwerwiegende Bedrohung für Grundrechte. Auf dem Papier eine scharfe Linie. In der Praxis hält sie Predictive Policing nicht auf — Systeme, die Verzerrungen reproduzieren wie ein schlecht justiertes Radar seine Echos.
In Dänemark arbeiten bis zu sechzig Algorithmen für die Betrugsbekämpfung. Sechzig — keine Fahndung, ein Fangnetz. Die Behörden sammeln Daten, oft nicht notwendig, nicht verhältnismäßig. Ein Algorithmus namens „Really Single" hat nicht-traditionelle Lebensentwürfe ins Visier genommen und willkürliche Entscheidungen getroffen. Wer kontrolliert das? Niemand sichtbar. Wer profitiert? Apparat und Quote. Wer zahlt? Menschen, die nie erfuhren, warum.
Die umfassende Datensammlung ist weder notwendig noch verhältnismäßig. Hier wird ein Präzedenzfall für automatisierte Entscheidungen über Menschen gebaut — hält er für Sozialleistungen, hält er auch für Zäune und Ziele.
Autonome Waffen sind die Spitze desselben Eisbergs. Eine Maschine, die tötet, ohne zu fragen — dieselbe Architektur wie ein Algorithmus, der straft, ohne zu verstehen. Ethische und rechtliche Implikationen sind keine Theorie. Sie sind Verdrahtung. Wer den Algorithmus besitzt, besitzt die Entscheidung. Wer die Entscheidung besitzt, besitzt das Leben. Unklar bleibt, wem die nächste Frequenz gehört.