Druck auf der Leitung: Wer dreht am Hahn für Europa?
Ich habe an Pipelines geschweißt. Ich weiß wie das Metall riecht wenn es heiß wird. Und ich weiß, dass eine Pipeline nie nur Stahl ist. Sie ist immer ein Versprechen. Und Versprechen werden gebrochen.
Europas Energieversorgung hängt an einem Faden. Oder besser: an einem Hahn, den jemand in Moskau dreht. Die Verhandlungen über die Wiederherstellung der Pipelines und der Einfluss russischer Konzerne — das ist kein technisches Thema. Das ist Macht. Wer zahlt, wer liefert, wer schweigt.
Deutschland hat es zu spüren bekommen. Die Abhängigkeit von russischen Energiequellen brachte das Land nahe an den Zusammenbruch. Besonders nach dem russischen Angriffskrieg. Ich erinnere mich an die Bilder. An die Männer, die an den Zapfsäulen standen und nicht wussten, wie sie die Woche überstehen sollten. Energie kostet immer zuerst die, die am wenigsten haben.
Ukrainischer Präsident Selenskyj hat die globale Sicherheitsarchitektur als unzureichend kritisiert. Besonders im Kontext der Verhandlungsbereitschaft Russlands. Das ist kein diplomatischer Höflichkeitsaustausch. Das ist eine Anklage. Die Architektur ist löchrig. Und wer unten steht, fällt durch.
Russland nutzt technische Gründe, um Gaslieferungen an Deutschland zu reduzieren. Die deutsche Regierung spricht von Blockadehaltung. Ich sage: Es gibt keinen technischen Grund, der nicht auch ein politischer ist. Kompressorstationen fallen nicht einfach aus. Turbinen verschwinden nicht einfach. Das sind Entscheidungen, getroffen in Räumen, in die kein Arbeiter je hineingelassen wird.
Die Pipeline steht unter politischen und regulatorischen Herausforderungen. US-Sanktionen. EU-Regulierungen. Jede Schicht ein weiteres Siegel auf einem Vertrag, der nie für den einfachen Mann geschrieben wurde. Wer profitiert? Nicht die, die am Ende der Leitung warten.
Das Projekt unterstreicht die vertiefenden Beziehungen zwischen Russland und China. Besonders im Kontext der geopolitischen Spannungen mit den USA. Power of Siberia 2 soll jährlich bis zu 50 Milliarden Kubikmeter Gas nach China transportieren. Das ist kein Trostpflaster. Das ist ein neuer Markt. Ein Markt, der die verlorenen Einnahmen aus Europa kompensiert. Die Rechnung geht auf. Für jemanden.
Die Zerstörung der Nord Stream Pipelines hat Gas von Europa nach Asien umgeleitet. Chinas Zugang zu günstiger Energie verbessert. Ich schaue auf die Trümmer am Meeresboden und sehe kein Verbrechen. Ich sehe eine Bilanz. Bilanzen lügen nicht.
Wer dreht den Hahn auf? Wer dreht ihn zu? Das sind keine technischen Fragen. Das sind Fragen nach Macht. Und die Macht sitzt nicht in den Konzernzentralen. Sie sitzt in den Köpfen derer, die glauben, dass Energie ein Geschenk ist. Sie ist keins. Sie ist immer bezahlt. Von jemandem.