VON DURC ZU PPP: DIE UMBENANNTE GEFAHR
Die Labore haben neue Namen gelernt. DURC – Dual Use Research of Concern – klang nach Bürokratie. PPP – Potential Pandemic Pathogens – klingt nach Krieg. Beide meinen dasselbe: Forschung, die nützen und vernichten kann. Der Unterschied liegt im Etikett, nicht in der Substanz.
Man definiert PPPs als Erreger mit weitreichender Verbreitung und schwerem Verlauf. Weit gefasst. Wer entscheidet, welcher Erreger in diese Schublade fällt? Die Politik erweitere die überwachungspflichtige Forschung – und schließe modifizierte Pathogene mit Pandemierisiko ein. Der Kreis wird weiter gezogen, jedes Mal mit denselben Händen am Zirkel.
Engere Zusammenarbeit zwischen Biosecurity und globaler Gesundheitssicherheit könnte die Pandemieantwort verbessern, sagen die Architekten solcher Kooperationen. Könnte. Das Wort trägt die ganze Last. Es bedeutet: wir haben es noch nicht. Internationale Biosecurity-Instrumente teilen trotz unterschiedlicher Schwerpunkte viele Verpflichtungen. Sie teilen Ziele. Nicht die Mittel. Nicht die Sanktionen. Wer hält wen zur Rechenschaft, wenn das Protokoll versagt?
Was fehlt: klare, umsetzbare Richtlinien. Man gibt den Institutionen die Verantwortung und überlässt ihnen die Methode. Das ist, als ernenne man einen Brandstifter zum Feuerwehrmann. Biologische Forschung kann bedeutende Vorteile bringen und Biosecurity-Risiken schaffen. Beides steht in jedem Bericht. Beides verschwindet in den Anhängen.
COVID-19 hat die dringende Notwendigkeit transnationaler Biogovernance hervorgehoben – so liest man in zahllosen Stellungnahmen. Wer aber definiert „menschengemacht"? Wer öffnet die Archive, wenn der Verdacht aufkommt, ein Labor sei Auslöser gewesen? Bisher niemand. Die Strukturen bleiben vage. Die Absichtserklärungen konkret.
Konfuzianische Ethik taucht am Ende fast jeder Tagung auf – als Vision einer moralischen Weltordnung samt praktischer Mechanismen. Eine schöne Idee. Wenn Labore in verschiedenen Rechtsräumen unterschiedlich reguliert werden, hilft keine Ethik, die nicht eingeklagt werden kann.
Ich stopfe meine Pfeife. Wer profitiert von dieser Unschärfe – und wer bezahlt den Preis, wenn die nächste Welle kommt?