Gift im Rohr, Kalkül im Boardroom
Die Sache stinkt. Und zwar nicht nur das Gift, das sie Nawalny in die Knochen gejagt haben.
Wieder Sanktionen. Diesmal gegen russische Firmen, weil ein Mann überlebt hat, der nicht überleben sollte. Klingt nach Moral. Riecht nach Pipeline.
Gazprom hat den Hahn an Nord Stream 1 zugedreht. Nicht ganz zu, nur so weit, dass der Preis zittert. Eine Turbine, sagen sie. Muss repariert werden. Klingt nach Technik. Riecht nach Strategie. Die Bundesregierung weiß das. Sie sagt es sogar: Drosselung schafft Unsicherheit, Unsicherheit hebt Preise. So sieht es aus, wenn Beamte das Offene beim Namen nennen.
Die USA wollten Nord Stream 2 stoppen. Haben die Sanktionen ausgesetzt. Wegen Europa, sagen sie. Wegen der Beziehungen. Klingt nach Diplomatie. Riecht nach Abhängigkeit. Denn genau das fürchten sie drüben: Dass Deutschland sich mit jedem Kubikmeter Gas tiefer in Moskaus Griff riegelt.
Jetzt also Sanktionen. Wieder. Diesmal gegen die Schiffe, die die Rohre verlegen, und die Firmen, die das besorgen. Klingt nach Präzision. Riecht nach Verzögerung. Wer fertigstellen will, braucht Spezialschiffe. Ohne Schiffe kein Rohr. Ohne Rohr kein Gas. Ohne Gas kein Winter.
Unklar bleibt, wer am Ende auf der Rechnung sitzt. Die alten Röhren werden jetzt gebraucht, für ein LNG-Terminal. Recycling-Geschäft, sagen sie. Technische und rechtliche Herausforderungen, sagen sie. Klingt nach Nachhaltigkeit. Riecht nach Notlösung. Wer hier wo unterschreibt, weiß ich nicht. Wissen die, die unterschreiben.
Ich hab in Texas auf den Feldern gestanden. Da gibt es zwei Sorten Männer. Die eine gräbt. Die andere zählt. Die zweite Sorte wird reich. Immer. Egal was an der Zapfsäule steht. Bier statt Bourbon. Aus Prinzip.
Hier ist es nicht anders. Nawalny liegt im Koma. Die Turbine ist kaputt. Die Schiffe stehen still. Die Röhren werden gebraucht. Und irgendwo in einem Boardroom lächelt jemand.