WER ZAHLT FÜR DEN KREBS? NOVARTIS ZWISCHEN ZOLL UND PIPELINE
Die Arznei ist ein Geschäft. Wer das vergisst, hat die Packungsbeilage nicht gelesen — ich schon. Im Fall Novartis treffen derzeit drei Kräfte aufeinander: US-Zollpolitik, laufende Medikamentenpreis-Deals und der nüchterne Wille des Konzerns, in der Krebstherapie ganz oben mitzuspielen.
Die Abspaltung des Generika-Geschäfts in Sandoz hat die Bilanz schlanker gemacht, Kapital freigesetzt — Kapital, das jetzt in Biotech-Übernahmen und neue Wirkstoffe fließt. Die Strategie ist klar: Spezialmedikamente mit hohen Margen und Patenten. Langfristiges Wachstum verspricht man den Aktionären. Den Patienten verspricht man Heilung. Beide Versprechen leben vom selben Patentschild.
Aktuell zeigt sich das in den europäischen EPARs zu Toripalimab und Zolbetuximab — zugelassen in unterschiedlichen Regionen, mit unterschiedlichen Indikationen und Ergebnissen. Wer genauer hinsieht, erkennt das Muster: Studien für den Heimatmarkt und Studien für den Weltmarkt sind nicht immer dieselben. Offen bleibt, welche Datenbasis den Aufsichtsbehörden jeweils vorgelegt wurde.
Hinzu kommt Korjuny® — das erste Arzneimittel mit einem Wirkungsmechanismus gegen das EpCAM-Antigen bei nicht-hämatologischen Krebserkrankungen. First-in-Class. Wer das Patent hält, hält den Preis. Wer den Preis hält, hält den Zugang.
Die Empfehlung von fünf neuen Medikamenten zur Zulassung unterstreicht, was viele nicht sehen wollen: Patente sind nicht nur Schutzrechte, sie sind Verfügbarkeitsschranken.
Doch nicht jeder Lichtschein hält. Bei einem Epilepsie-Medikament gibt es Hinweise auf schwere Leberschäden. Die Frage steht im Raum: Wurden Studien manipuliert? Hier sitzt der Aufsichtsrat, dort der Patient. Dazwischen liegt das Schweigen.
Die Zölle aus Washington sind kein Naturereignis, sie sind Hebel. Sie treffen Lieferketten, Wirkstoffe, am Ende jene, die ohnehin am wenigsten Wahl haben. Novartis antwortet mit Expansion, Übernahme, Spezialisierung. Die Gewinne wandern in die Forschung, die Forschung in die Patente, die Patente in den Preis. So schließt sich der Kreis. Und irgendjemand zahlt die Rechnung.
1937. Jemand verdient an der Krankheit. Ich benenne ihn.