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Sanktionen füttern die, die sie treffen sollten

7. Juli 2026 — — — Hollis

Die Sanktionen sollen den Kreml treffen. Sie treffen die Oma in Nowosibirsk, die ein paar Gazprom-Aktien im Sparstrumpf hat. Das ist die Pointe, die in Brüssel niemand laut ausspricht.

Westliche Strafmaßnahmen schneiden russische Unternehmen vom Kapitalmarkt ab — so die offizielle Lesart. Die unbequeme Wahrheit: Wer an der Moskauer Börse sitzt, russische Papiere hält, Rubel-Anleihen zeichnet, profitiert. Der Rubel? Stabil wie seit Jahren nicht. Die Zinsen? Hoch genug, um Kapital anzuziehen statt zu vertreiben. Der russische Staat braucht keine westlichen Investoren mehr. Er hat eigene. Und die zahlen.

Parallel baut Moskau seine Energieschiene um. Die Kraft Sibiriens ist kein bloßes Rohr. Sie ist die Heiratsurkunde zwischen zwei Riesen, geschlossen in der Stunde der Not. Europa dreht den Hahn zu, also dreht Russland ihn Richtung Peking auf. Weniger Abhängigkeit von Märkten, die sanktionieren können. Neue Käufer, die keine Fragen stellen.

Der Iran-Krieg hat die Ölpreise angeheizt. Das spült Geld in die Kassen jener, die noch liefern können — und Russland liefert, trotz aller Widrigkeiten. Gazprom berichtet von Schwierigkeiten: europäische Gaspreise drücken, Pipelines sind Anschlagsziele. Doch gleichzeitig expandiert der Konzern. LNG-Anlagen werden ausgebaut, neue Komplexe geplant. Asien will Flüssiggas, China will Pipelinegas. Der EU-Importstopp 2027? Eine Deadline, kein Todesurteil. Gazprom hat Zeit. Und Geld.

Wer also profitiert? Der russische Staatshaushalt. Die Oligarchen, die früh umgeschichtet haben. Die Kleinanleger im eigenen Land, die im Westen als Kollateral-Schaden gelten — und sich wundern, warum ihr Depot nicht brennt, während die Experten das Ende voraussagten.

Unklar bleibt, wie lange diese Konstruktion hält. Klar ist: Die Architekten der Sanktionen haben die Geografie des Geldes unterschätzt. Und die Geduld derer, die auf der anderen Seite des Tisches sitzen.

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