Doppelter Nutzen, doppeltes Risiko
1937. Die Wissenschaft verspricht viel. Ich notiere.
Immer dieselbe Mechanik. Ein Reagenzglas, eine Theorie, eine Anwendung. Was im Labor Mikrobe heißt, kann draußen Waffe heißen. Was gestern Heilmethode war, wird morgen Verabreichungssystem. Die Forschung an Viren und anderen Pathogenen sowie die Entwicklung von Medikamentenverabreichungsmethoden können sowohl vorteilhaft als auch potenziell schädlich sein. So steht es in jedem Antrag. So steht es in keiner Zeitung.
Das Akronym klingt nach Verwaltung. DURC — Dual Use Research of Concern. Forschung, die sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf Gesundheit, Sicherheit, Landwirtschaft, Umwelt und nationale Sicherheit haben kann. Schöner Euphemismus. Wer entscheidet, was überwiegt? Wer entscheidet überhaupt?
In den Konferenzräumen sitzen Experten, deren Urteile sich unterscheiden. Zwischen Experten und Studierenden klaffen erhebliche Differenzen in den Risikobewertungen und empfohlenen Managementstrategien. Ein Doktorand sieht Gefahr, der Professor sieht Fördergelder. Die Variation in den Urteilen der Teilnehmer deutet darauf hin, dass ähnliche Projekte unterschiedlich bewertet werden könnten. Ergebnis: inkonsistente Risikomanagementstandards. Niemand will Verantwortung tragen. Alle wollen publizieren.
Harvard hat reagiert. Ein Institutional Review Entity, kurz IRE, prüft DURC- und PEPP-Projekte, entwickelt Risikominderungspläne. Vernünftig. Papier ist geduldig. Die Richtlinien unterteilen Forschungsprojekte in zwei Kategorien — DURC und PEPP — basierend auf den Eigenschaften der verwendeten Agenten und den potenziellen Forschungsergebnissen. Sauber getrennt. Wer trennt die Folgen?
Die U.S.-Regulierung könnte sich ändern. Wissenschaftliche Fortschritte, Sicherheitsrisiken — ausbalancieren. Wer balanciert? Wer gewichtet die Gewichte?
Es wird vorgeschlagen, dass die Regulierung durch Stimmen aus verschiedenen Disziplinen und Ländern geprägt werden sollte, insbesondere von LMICs — Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Damit globale Gesundheitsrisiken gerecht verteilt werden. Gerecht verteilt. Auf wessen Schultern lasteten bisher die Proben, die Unfälle, die Patente?
Ich habe dreißig Jahre Labore gesehen. Die Pfeife ist jetzt verbannt, der Kittel hängt im Schrank. Geblieben ist die Frage nach dem, was nicht gemessen wird.
Wer bezahlt dafür, dass die Antwort offenbleibt?