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Zwischen Reagenzglas und Biowaffen: Wer kontrolliert die Forschung?

7. Juli 2026 — — — Prof. Kessler

Deutschland hat nun vier BSL-4-Labore. Die Pfeife glüht, während ich das notiere. Berlin kommt neu hinzu — als Reaktion auf eine Ebola-Epidemie, die zeigte, wie dünn die Decke zwischen Ausbruch und Pandemie wirklich ist. Das Labor dort, wie seine drei Geschwister, betreibt virologische und immunologische Grundlagenforschung, diagnostiziert Patientenproben mit Verdacht auf hochkontagiöse, lebensbedrohliche Erkrankungen. Notwendige Arbeit, unbestritten. Die Gründung der ersten Anlagen geht auf den Marburg-Virus-Ausbruch 1967 zurück, als ein Erreger aus Versuchstieren den Forschern ihre Grenzen aufzeigte. Seitdem spielen diese Hochsicherheitstrakte eine zentrale Rolle in der Forschung an hochpathogenen, zoonotischen Viren.

Dann die Methode, die uns Sorgen macht: Gain of Function. Viren werden im Labor gezielt gefährlicher gemacht, um sie besser zu verstehen. Klingt nach Alchemie. Ist Alchemie. International wird diese Forschung scharf kritisiert, weil sie potenziell militärisch nutzbar ist. Wer bezahlt? Wer profitiert? Welche Ergebnisse landen in Fachjournalen, welche in Tresoren?

Die Biowaffenkonvention hat breite Unterstützung. Was fehlt: ein effektives Überwachungsprotokoll. Ein Vertrag ohne Zähne. Nordkorea unterstützt Russlands Vorwurf, die USA betrieben biologische Forschung in der Ukraine — ob die Anlagen existieren, weiß ich nicht; meine Sorge gilt nicht den Akten, sondern der Struktur, die solche Vorwürfe überhaupt erst möglich macht. Biologische Waffen sind leichter beschaffbar und einsetzbar als Atomwaffen — leichter versteckt, leichter transportiert, leichter skaliert. Das macht sie zur besonderen Bedrohung.

Vier Labore in Deutschland. Marburg als Mahnmal. Ebola als Auslöser. Eine Konvention, die nicht prüft, was sie zu verbieten vorgibt. Unklar bleibt, wer garantiert, dass aus Grundlagenforschung keine Waffe wird.

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