Asundexian gescheitert — die Spur führt in die Vorstandsetagen
Die Studie ist tot. Asundexian, der Hoffnungsträger im Kampf gegen Schlaganfall und Thrombose, hat in der klinischen Prüfung nicht gehalten, was Börsen und Marketing ihm zugetraut hatten. Die Phase wurde abgebrochen — mangelnde Wirksamkeit, so die nüchterne Mitteilung. Dahinter aber steht die eigentliche Frage: Was wurde an den Märkten bereits erzählt, bevor das Urteil fiel? Wer sitzt im Aufsichtsrat, wer hält das Patent, wer hat die Studie bezahlt — die alten Fragen, die selten gestellt werden, solange ein Wirkstoff noch im Glanz steht.
Boehringer Ingelheim kennt das Spiel. Gegen das Haus laufen Untersuchungen im Zusammenhang mit Pradaxa, einem Gerinnungshemmer, der einst als Revolution verkauft wurde. Die Vorwürfe ähneln sich: zu schneller Markteintritt, zu dünne Daten, zu lautes Marketing. Unklar bleibt, welche Konsequenzen die Aufseher diesmal wirklich ziehen — und welche Posten in den Etagen darüber unangetastet bleiben.
Parallel untersucht die EMA Unregelmäßigkeiten in der Zulassungsstudie von Xarelto. Ein defektes Testgerät kam zum Einsatz. Welche Werte dadurch verfälscht wurden, ist Gegenstand der Prüfung. Bayer beteuert das positive Nutzen-Risiko-Profil und kooperiere mit den Behörden — der Standardsatz, den man auswendig kennt, wenn die Karten neu gemischt werden. Das BfArM rät, Xarelto nicht ohne ärztliche Rücksprache abzusetzen, und wartet auf die Ergebnisse der EMA. Eine kluge Warnung, die vor allem eines offenbart: Die Patientin steht zwischen den Fronten, nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit.
Das Muster ist nicht lokal. Der Rückrufkatalog reicht von Schmerzmitteln bis zu Infusionslösungen — die Breite ist das Signal, nicht der Einzelfall. Qualitätskontrollen sind offenbar so löchrig wie manche Studienprotokolle.
Und am Rand, fast beiläufig: Candoro ethics GmbH hat einen Informationsbrief verschickt, weil der tatsächliche THC- und CBD-Gehalt auf den Etiketten ihrer Cannabisprodukte fehlt. Ein Hersteller, der nicht einmal weiß, was in seinen Töpfen ist, will Patientinnen versorgen. Wer prüft hier wen?
Zugleich verschiebt sich die Arzneimittelverschreibungsverordnung. Die Verschreibungspflicht ändert sich. Es ist die Sorte von Verordnungstext, die niemand liest und die trotzdem darüber entscheidet, wer welches Präparat in welcher Apotheke bekommt.
1937 hat jemand an der Krankheit verdient. Ich benenne ihn — heute sind es mehrere, und sie sitzen in Aufsichtsräten, nicht in Hinterhöfen. Die Strukturen sind andere geworden, die Mechanik ist die gleiche geblieben: erst der Wirbel, dann die Studie, dann der Beipackzettel, den niemand liest. Am Ende stehen Patientinnen zwischen Beschlüssen, die längst gefasst sind.