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Der Wald, der nicht da war

8. Juli 2026 — — — Doc Brenner, irgendwo im Staub

1937. Die Erde schreibt mit. Ich übersetze.

Manche Bücher werden rot, wenn man sie aufschlägt. Das hier ist so eines. Ich blättere zurück — fünfzehn Jahre, zwanzig — und finde eine immer gleiche Rechnung: Bäume, die fallen, werden zu Zahlen, die steigen. REDD+ nennt sich das. Finanzielle Anreize gegen Entwaldung, hieß es. Klingt sauber. Riecht nach Torfmoor nach dem ersten Frost.

Aber die Erde, die ich lese wie ein aufgeschlagenes Tagebuch, kennt keinen Preis. Sie kennt nur Zuwachs und Verlust, Jahresring um Jahresring. Und jetzt, da der Markt für JREDD+-Kohlenstoffgutschriften bis 2028 kräftig an Wert gewinnen soll — weil die Nachfrage nach höherwertigen Krediten steigt —, da wird die Sache interessant. Für wen?

Ecuador hat sich engagiert, heißt es. Klimaschutzinvestitionen, internationale Initiativen. Das Kariba-Projekt hat derweil etwas getan, das in jedem anderen Wirtschaftszweig Betrug hieße: übertriebene Angaben zur Waldgefährdung, mehr Credits ausgestellt als gerechtfertigt. Ich frage: Wer hat das geprüft? Wer hat weggeschaut? Und vor allem: Wer hat den Scheck unterschrieben?

Projektbasierte REDD+-Strategien kämpfen mit überhöhten Baselines, mit fragwürdigen Ergebnissen. Das ist der alte Tanz. Jurisdictional REDD+ verspricht den Ausweg — größere, systematische Ansätze. Klingt vernünftig. Aber solange die Überwachung fehlt, solange Transparenz nur auf dem Papier steht, ist jeder Credit eine Wette auf etwas, das wir nicht sehen können.

Die Struktur trägt sich selbst: Industrien kaufen sich frei, Regierungen zeigen Engagement, und der Wald bleibt, was er war — ein Argument in einer Bilanz. Wer profitiert? Die Zwischenhändler. Wer verschweigt? Die Prüfer. Unklar bleibt, wer den Schaden trägt, wenn die Bäume fallen und die Bücher stimmen.

Ein Naturgesetz zum Schluss: Was nicht gezählt wird, wird auch nicht geschützt.

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