ZOLLSTATION APP-STORE: WER LÄSST DIE PFORTE AUF?
Die alten Kartellgesetze wurden für Stahl und Öl geschrieben. Heute rollen Datenströme durch digitale Mautstationen — und das alte Werkzeug greift daneben. Die Regeln der Plattformökonomie machen herkömmliche kartellrechtliche Maßstäbe nahezu unbrauchbar. Was wie ein offener Markt aussieht, ist oft eine Mauer mit einer einzigen Pforte.
Diese Pforte hütet Apple. Der App-Store ist kein Marktplatz — er ist eine Zollstation. Der Konzern nutzt seine Kontrolle über den einzigen Zugang, um hohe Gebühren zu erheben und Konkurrenz zu behindern. So lautet die Beschwerde, die in Brüssel auf dem Tisch liegt. Die EU-Kommission hat eine formale Untersuchung eingeleitet, Anklage könnte in Kürze folgen. Apple bestreitet. Das ist das Ritual.
Die Frage hinter dem Ritual: Worum geht es wirklich? Apple wird vorgeworfen, seine Marktmacht als Gatekeeper zu missbrauchen — Wettbewerber werden benachteiligt, eigene Dienste bevorzugt. Wer den Eingang besitzt, besitzt die Straße. Wer die Straße besitzt, besitzt den Verkehr.
Bemerkenswert: In Europa hat Apple seine regulatorischen Prügel bislang vor allem wegen Steuerstreitigkeiten bezogen — nicht wegen Wettbewerbsverzerrung. Die Steuernachforderung war greifbar, der Missbrauch einer digitalen Pforte ist abstrakter. Unklar bleibt, warum Brüssel ausgerechnet jetzt die Wettbewerbskeule schwingt, wo man mit der Steuerkeule zuvor schneller war.
In Washington zielt die Gesetzgebung darauf, die Marktmacht von Apple, Amazon, Facebook und Google zu begrenzen — vier Namen, ein Bauprinzip. Ob das Gesetz schnell genug kommt oder die Konzerne ihre Schlupflöcher bereits gegraben haben, bleibt offen.
Die Berichterstattung über solche Verfahren ist ein Gemisch: positive Meldungen zum Verbraucherschutz, negative zur Konzernmacht, neutrale zu laufenden Verfahren. Von lokal bis global — das Muster wiederholt sich, nur die Währung hat sich geändert.
Wer kontrolliert das? Nicht der Konsument. Wer profitiert? Der, der die Pforte besitzt. Wer zahlt den Preis? Der Entwickler, der dreißig Prozent abführt. Und am Ende der Kunde, der nicht weiß, was er nicht sieht.
Die Drähte summen. Brüssel summt lauter als Cupertino. Noch.