NDEA im Valsartan: Die zweite Welle kommt
Erinnern Sie sich an NDMA? Natürlich nicht. Sie haben den Beipackzettel gelesen, der Name stand nicht drauf. Niemand stand drauf. Zhejiang Huahai in China stellte Valsartan her, und irgendwo in der Synthese des Tetrazolrings bildete sich N-Nitrosodimethylamin — ein Stoff, der in Tierversuchen Krebs erzeugt, in Leber, Niere, Atemwege.
Jetzt auch das hier: NDEA. N-Nitrosodiethylamin. Verwandte Substanz, gleiche Klasse, gleiches Risikoprofil. Die EMA bezieht NDEA in ihre Risikobewertung ein, als wäre das eine Selbstverständlichkeit. Als wäre es keine Eskalation.
Die EMA schätzt das Krebsrisiko für Patienten, die über sechs Jahre die höchste Valsartan-Dosis eingenommen haben, auf etwa 1 zu 5.000. Eine Zahl, die im Beipackzettel untergeht, am Küchentisch aber Gewicht bekommt. Niemand hat sie dem Patienten vorgelesen. Niemand hat den Patienten gefragt.
Dann der Alkohol. Valsartan und Ethanol — beides senkt den Blutdruck, beides erweitert die Gefäße. Die Interaktion könnte ein kritischer Faktor bei der Bewertung der Sicherheit sein. Millionen Hypertoniker trinken regelmäßig. Niemand hat sie gewarnt.
Und die Generika. Hier liegt das Vergehen. Das Originalpräparat — Novartis' Diovan — war nicht betroffen. Nicht weil es sauberer war, sondern weil es andere Synthesewege ging. Die Generika, die Billigware, die jeder Sparversorger verordnet — genau dort fand sich die Verunreinigung. Wer das Original nicht bezahlen konnte oder durfte, bekam das Gift. So sieht Klassenmedizin aus.
1937 starben über hundert Menschen in den USA an Elixier Sulfanilamid, Diethylenglykol statt Lösungsmittel. Der Hersteller wusste es. Die Aufsicht erfuhr es zu spät. Es schrieb Gesetze, schuf die FDA in ihrer heutigen Form.
Heute schreibt die EMA einen Risikobewertungsbericht. Zhejiang Huahai liefert weiter. Die Aufsichtsräte tagen, die Geschäftsberichte werden gedruckt, die Dividenden fließen. Jemand verdient an der Krankheit. Ich benenne die Struktur, nicht die Person: Es ist das System, das billige Generika kauft, ohne Lieferketten zu prüfen. Das Patentschutz als Kostenfaktor behandelt und Patientenschutz als Beipackzettel.
NDEA ist gefunden. Die Frage ist, wer außer mir es ausspricht.