Zwischen Acker und Aufsichtsrat
Die Erde fragt nicht, wer sie besitzt. Sie wächst für den, der sie bearbeitet, oder für niemanden. Aber wer sie besitzt, wird anderswo entschieden — in Räumen, die nach nichts riechen, jedenfalls nicht nach Erde. In Brüssel hat man über die Heirat von Bayer und Monsanto entschieden. Eine Übernahme, so groß wie eine Dürre, und niemand hat gefragt, was auf den Feldern danach wächst.
Die Wettbewerbshüter haben zugestimmt, mit Auflagen. Die Auflagen werden formuliert wie Bewässerungsgräben — sie sollen das Wasser führen, aber sie tränken nicht. Auf dem Papier ist alles geordnet. Auf dem Feld ist es das nicht. Effizienz zählt, sagen sie. Preise zählen. Was nicht zählt: was nach der Ernte im Boden bleibt — die Arten, die verschwinden, die Bäuerinnen, die aufgeben, die Felder, die nur noch eine Sorte tragen.
Und jetzt die Sache mit der Tür. Ein ehemaliger Kommissar wechselt zu einem Beratungsunternehmen, das im selben Verfahren eine Rolle spielte. Compass Lexecon heißt der Laden — ein Name wie Wind über Stoppeln. Man berät, schreibt, empfiehlt — und vorher hat man gerichtet. Ob das ein Interessenkonflikt ist? Es sieht aus wie einer. Es riecht wie einer.
Die Bürgerbeauftragte der EU hat es deutlich gesagt: Diese Seitenwechsel gefährden die Integrität der gesamten Verwaltung. Das ist kein kleines Wort. Integrität heißt, dass ein Amt nicht verkauft wird, auch nicht in Raten, auch nicht als Wissen, das man mitnimmt wie eine Handvoll Saatgut. Doch wer kontrolliert das? Wer liest die Akten?
Die EU-Kommission wird aufgefordert, alle Dokumente offenzulegen. Ein Acker, der nicht gezeigt wird, ist ein Acker, auf dem niemand prüft, was gesät und was geerntet wurde. Es bleibt das Misstrauen. Es bleiben die Auflagen, die nichts auflagen. Es bleibt der Konzern, der größer wird, weil Größe allein kein Problem sein soll.
Unklar bleibt, wie oft diese Tür sich öffnet. Unklar bleibt, welche Namen noch in den Akten stehen. Bekannt ist: das Urteil über das Feld wird im selben Haus gefällt, in dem man später eine Anstellung findet.
Was bleibt: das Feld. Es wartet nicht.