Was bestritten wurde, ist bezahlt
Washington, später Abend. Die Pfeife ist kalt. Dr. Lawrence A. Tabak, hochrangiger Beamter des NIH, hat ausgesprochen, was sein Haus jahrelang in Pressekonferenzen und Anhörungen zu dementieren versuchte: Die NIH haben Gain-of-Function-Forschung in Wuhan mitfinanziert. Bestätigung nach Jahren des Dementis. Das ist kein Geständnis aus Einsicht — das ist ein Geständnis, weil die Aktenlage nichts anderes mehr zuließ.
Die politische Maschine lief sofort an. Präsident Donald Trump unterzeichnete ein Verbot, Gain-of-Forschung künftig nicht mehr mit Bundesmitteln im Ausland zu finanzieren. Die Verordnung trifft insbesondere Länder ohne angemessene Forschungsaufsicht. Die Bundeszuschüsse für das Wuhan Institute of Virology und die EcoHealth Alliance wurden ausgesetzt. Die Trump-Administration brandmarkt dabei frühere Versäumnisse bei Regulierung und Transparenz der biologischen Forschung.
Doch wer genau hinsieht, erkennt die Architektur des Vorgangs. Es wird keine gefährliche Forschung gestoppt — sie wird zentralisiert. In den USA. Ausländische Labore werden ausgeschlossen, nicht weil ihre Arbeit überflüssig wäre, sondern weil die Aufsicht außerhalb amerikanischer Jurisdiktion liegt. Die Aussetzung ist als temporär formuliert, als Regulierungsverbesserung, nicht als Ende der Forschung.
Gain-of-Function-Forschung bleibt umstritten, nicht zuletzt wegen ihrer möglichen Rolle bei der Entstehung von COVID-19. Tabak sprach erst, als die Akte sprach. Unklar bleibt, welche Experimente konkret gefördert wurden, welche Ergebnisse in welche Berichte flossen — und wem sie am Ende nützten. Wessen Schutz dient diese Zentralisierung — der Bevölkerung oder den Forschern?