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Wo Öl zu Kapital wird, wächst kein Brot

8. Juli 2026 — — — Ida Feuerbach

Ich kenne den Unterschied. Auf dem Hof meiner Mutter wuchs Weizen, und das Geld dafür kam erst nach der Ernte. Hier, in diesen Berichten aus den Wüsten des Ostens, wächst das Geld zuerst — und die Ernte soll später folgen.

Die Golfmonarchien sitzen auf schwarzem Gold, das weniger wird. Also haben sie Behälter gebaut: Staatsfonds, schwere Töpfe, in denen Öl zu Kapital wird. Aus diesen Töpfen fließt es nun in alle Welt — in Rüstung, in Medien, in Technologie, in Telekommunikation, in Unterhaltung. Der Public Investment Fund, PIF, das saudische Hauptinstrument, streut sein Geld wie ein Bauer, der nicht weiß, welches Feld Wasser braucht und welches verdorrt.

Was hier wächst, ist keine Nahrung. Es ist Macht, verkleidet als Investition. Wenn Saudi-Arabien seine wirtschaftliche Kraft einsetzt, um politischen Einfluss zu gewinnen, dann ist das keine Geschäftemacherei — das ist Außenpolitik mit anderen Mitteln. Eine werteorientierte, vorsichtige Politik wäre nötig. Doch wer kontrolliert den Kontrolleur, wenn die Mittel keine Grenzen kennen?

Der Plan trägt einen Namen: Vision 2030. Die Abhängigkeit vom Öl soll weichen, vielfältigere Wirtschaftsstrukturen sollen entstehen. Das klingt nach Einsicht. Der PIF will den Anteil seiner Auslandsinvestitionen von dreißig auf achtzehn Prozent senken — das Geld soll nach Hause, in eigene Projekte. Projekte wie Neom, wie The Line. Städte aus dem Nichts, in einer Landschaft, die nichts hergibt als Sand. Ob das ambitioniertes Reformpotenzial ist oder ein Fass ohne Boden — unklar bleibt die Finanzierung, unklar die Machbarkeit. Die Fonds in Abu Dhabi stehen vor derselben Frage, ihre Investitionsstrategien müssen überdacht werden. Das klingt nach Vernunft.

Doch Vernunft ist selten die Triebfeder von Macht. Wer profitiert, wenn ein ganzes Land seine Identität gegen einen Masterplan eintauscht, das verraten die Zahlen nicht. Die Wüste schweigt. Sie hat nie geredet. Was bleibt, ist der Sand, das Geld, und die Frage, wer am Ende die Ernte einbringt.

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