DER HANDEL MIT DEM NICHTS
Ich habe Bohrkerne gelesen, die älter waren als diese Republik. Ich habe gesehen, wie Schichten sich ablagern, Jahrtausend um Jahrtausend, gleichmäßig, geduldig, ohne Eile. Und ich habe gesehen, wie eine einzige Generation diese Schichten in einem Sommer verbrennt.
Was die Erde in Äonen aufgebaut hat, soll jetzt ein Zertifikat abdecken. So sieht der Plan aus. CO₂-Handel — klingt sauber, riecht nach Verantwortung. Ich sage: riecht nach verbrannter Erde.
Die Struktur ist bekannt. Konzerne emittieren, kaufen sich frei, nennen es Klimaschutz. Keine signifikanten Einsparungen, aber das Papier stimmt. Wer kontrolliert das wirklich? Niemand ernsthaft. Wer profitiert? Die, die weiter emittieren dürfen. Das ist die Mechanik des Geschäfts.
Parallel: Die Straße von Hormus ist blockiert. Öl- und Gaspreise steigen. Die strategischen Erdölreserven der USA sind auf einen Tiefstand gefallen, der zuletzt 1983 verzeichnet wurde. Dreiundvierzig Jahre her. Damals trug ich noch keine Stiefel.
Und während die Reserven sinken und die Preise klettern, verspricht die kommende Regierung in Washington, Bidens Klimaagenda aufzulösen. Ölkonzerne werden begünstigt, erneuerbare Energien leiden. Investoren setzen verstärkt auf Unternehmen, die von einer republikanischen Agenda profitieren könnten. Das Geld folgt der Politik, nicht der Physik.
Hier wird ermittelt. Wer zahlt den Preis, wenn Zertifikate das Klima nicht retten? Wer trägt die Risikokosten, wenn Banken schrumpfende Erträge verzeichnen und gleichzeitig in Infrastrukturfinanzierung und nachhaltige Investitionen drängen? Digitalisierung wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor, Risikosteuerung und Kundenvertrauen bleiben zentral — das klingt modern, bedeutet aber oft nur: schneller abrechnen.
Brunner hat recht. Ölkonzerne gehören über Übergewinnsteuern stärker zur Klimafinanzierung herangezogen. Offen bleibt, warum diese Stimme in den Konzernen selbst so leise bleibt. Offen bleibt, wer die Digitalisierung der Kontrollen wirklich nutzt — die Aufseher oder die Emittenten.
Ich trage dreckige Stiefel im Büro. Niemand hat sich je beschwert. Vielleicht, weil jeder weiß, woher der Dreck kommt.
Was die Erde nicht verhandelt, kann kein Markt auflösen.