Die Akte Lecanemab: Dreißig Prozent Hoffnung, hundert Prozent Bilanz
Ich habe Beipackzettel gelesen, die wie Geständnisse klingen. Lecanemab heißt der Wirkstoff, vermarktet als Leqembi. Donanemab nennt sich Kisunla. Beide zugelassen, beide gefeiert, beide umstritten. Die Industrie spricht von Fortschritt nach langer Phase von Fehlschlägen. Ich sage: das Sortieren von Risiken, bis die Bilanz stimmt.
Dreißig Prozent Verlangsamung in achtzehn Monaten, im Frühstadium. Die Zahl steht in jeder Pressemitteilung. Was nicht steht: Hirnschwellungen, Mikroblutungen, erhöhtes Risiko bei Trägern bestimmter genetischer Anlagen. Die Therapie ist aufwändig, regelmäßig, engmaschig überwacht. Wer zahlt, sieht. Wer nicht zahlt, sieht auch — nur früher.
Die AFI fördert Forschungsprojekte und Schulungsprogramme. Verdienstvolle Arbeit. Aber wer sitzt im Aufsichtsrat? Wer finanziert die Schulungen? Die AFI ist keine Behörde, sondern ein Verteiler von Forschungsgeldern. Verteilte Gelder hinterlassen Spuren.
Das Zulassungsverfahren gilt als komplex und mehrstufig. Überprüfungen, Anpassungen, Sicherheitsdaten. Ein Segen. Aber Studienmanipulation durchlöchert jede Architektur. Wer Studien manipuliert, manipuliert Zulassungen. Und wer kontrolliert die Kontrolleure?
Zwischen Labor und Markt steht ein Patent. Zwischen Kranken und Heilung ebenfalls. Lecanemab verlangsamt das Frühstadium. Donanemab ebenso. Nicht stoppen. Nicht heilen. Nur teuer verzögern. Skandale in der Forschung untergraben das Vertrauen in jede Pille, die danach kommt.
Manche Mittel wurden trotz Empfehlung abgelehnt. Manche trotz Bedenken zugelassen. Das ist das System, das Krankheit als Marktsegment begreift. Ich war Ärztin. Wer zahlt, bekommt. Wer nicht zahlt, bekommt das Versprechen. Ich sehe noch immer dasselbe.
Unklar bleibt, wer die Sicherheitsdaten interpretiert, bevor sie Fachzeitschriften erreichen. Klar ist: Das Vertrauen war einmal da. Es ist verbraucht. Dreißig Prozent — Durchbruch oder Eintrittspforte?
Ich erfinde keine Namen. Aber ich benenne die Struktur: Zulassung ist Geschäft. Forschung ist Geschäft. Hoffnung ist die härteste Währung.