Maskenwechsel in Peking: Die Wölfe treten ab, das Theater bleibt
Wang Yi sprach, und die Welt horchte auf — wie man eben horcht, wenn ein Mann, der viele Verträge unterzeichnet hat, das Wort erhebt. Sein Auftritt, choreografiert wie ein Menuett am Rand eines Abgrunds, diente einem doppelten Anliegen, das in Wahrheit ein einziges ist: China soll als globaler Vermittler und als Führer wahrgenommen werden, während die Außenpolitik der Vereinigten Staaten zugleich kritisiert wird. Vermittler und Führer — ein Wortpaar, das die ältere Diplomatie Pekings noch pflegte, bevor andere Wölfe es verdrängten.
Die Botschaft war unmissverständlich. Wang Yi nutzte dieselbe Bühne, um Japans militärische Ambitionen zu geißeln und vor nationalistischen Rückfällen zu warnen — wobei er, wie es höfliche Sitte ist, nie beim Namen nannte, wen er meinte. Es steht in keinem Protokoll, wo diese Tendenzen am lautesten knurren. Man darf raten.
Hinter dem Vorhang wird umgebaut. Die Pandas kehren aus den Zoos heim — schwarz-weiße Diplomaten, die leiser bellen als ihre menschlichen Kollegen. Und Männer vom Schlage eines Zhao Lijian werden umgeschichtet, sang- und klanglos. Zhao Lijian, das war das Gesicht, das während der Covid-Pandemie für Peking das Mikrofon hielt und sich so verbiss, dass selbst Australiens Premierminister Scott Morrison sich genötigt sah, öffentlich zurückzufeuern. Sein Berufsbild umschreibt ein Filmtitel: Wolf Warrior II — aggressive Strategie, die mit dem friedlichen Aufstieg so viel gemein hat wie ein Feuerwerkskörper mit einem Gespräch bei Kerzenlicht.
Dass diese Wolf-Warrior-Diplomatie nun zurückgefahren werden soll, ist selbst ein diplomatischer Akt: man zeigt die sanftere Gebärde, ohne die Klaue zu verbergen. Zurückgefahren, nicht abgeschafft. Die Wölfe treten ab, das Rudel bleibt. Und selbst Nebensächlichkeiten werden inszeniert: Tang Tianrus Entscheidung für traditionelle chinesische Medizin hat Kritik ausgelöst. In einem Staat, der jede Geste choreografiert, ist auch das Privateste ein Politikum. Die Handschuhe müssen dieselbe Farbe haben.
Unklar bleibt, wem die Rechnung präsentiert wird. Wer profitiert, ist offensichtlich: wer die Inszenierung kontrolliert. Wer verschweigt, ist ebenso offensichtlich: wer den Abgang der Wölfe nicht bemerken will. Man wechselt die Maske, nicht das Spiel.