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Gesichter im Raster: Die EU nimmt die Scanner ins Visier

8. Juli 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

Brüssel, Leitungsraum. Die Maschinerie läuft — und sie läuft auf Gesichter. Bis 2026 müssen kommerzielle Gesichtserkennungssysteme vollständige Konformitätsbewertungen vorlegen und sich in eine EU-Datenbank eintragen. Klingt nach Bürokratie. Ist es auch. Aber unter dem Aktenstaub liegt der Versuch, einer Industrie Fesseln anzulegen, die längst ohne Fesseln wirtschaftet.

Seit 2025 ist die Echtzeit-Fernidentifizierung im öffentlichen Raum verboten. Ebenso das Scraping biometrischer Daten. Verboten heißt hier: per Verordnung. Ob es hält, steht auf einem anderen Blatt.

Clearview AI hat dieses Blatt nie gelesen. Die Firma kratzt Gesichter von sozialen Medien zusammen — ohne Zustimmung, ohne rechtliche Grundlage, ohne Reue. Das verstößt gegen die Grundsätze der DSGVO, sagt nicht eine einzelne Datenschützerin, sondern die italienische Aufsichtsbehörde, die Clearview die Ernennung eines EU-Vertreters und die Einhaltung der Informationspflichten aufgenötigt hat. Reaktion? Schweigen. Verfahren? Laufen.

Die EU ermittelt jetzt strafrechtlich gegen Clearview AI. Wegen mangelnder Transparenz gleichzeitig gegen Meta und TikTok. Drei Namen, ein Muster: Daten sammeln, Mauern bauen, Ausreden liefern. Wer profitiert? Die Plattformen, deren Geschäftsmodell auf Überwachung ruht. Wer verschweigt? Die Konzerne, deren Algorithmen Gesichter in Echtzeit sortieren. Welche Struktur trägt es? Ein regulatorisches Vakuum, das 2025 notdürftig gestopft wurde.

Noyb, die Bürgerrechtsorganisation, nutzt Artikel 84 der DSGVO, um strafrechtliche Verfahren gegen die Verantwortlichen von Clearview AI einzuleiten. Ein Artikel, geschrieben genau dafür: damit jemand die Rechnung präsentiert, nicht nur die Geldbuße.

Europäische Datenschutzbehörden und Bürgerrechtsorganisationen fordern ein Verbot solcher Praktiken. Sie sagen Verbot. Die Industrie hört Geschäftsmodell. Clearview AI hat sich wiederholt gegen DSGVO-Regelungen verstoßen — wiederholt, nicht einmal, nicht versehentlich. Das ist kein Bug. Das ist das Design.

Ich höre auf den Drähten. Die Konformitätsbewertung kommt 2026. Bis dahin bleibt offen, wer noch scannt, wer noch verkauft — und wer wegschaut. Die Antwort kennt jeder, der das Licht eingeschaltet lässt.

Ada Voss, Terminal Tribune

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