Neunzehn Millionen für grüne Fassaden
Die Erde hat kein Gedächtnis für Bilanzen. Aber sie hat ein Gedächtnis für das, was auf den Böden wächst und was nicht. Neunzehn Millionen Dollar wiegt die Strafe, die die US-Börsenaufsicht SEC der Frankfurter DWS auferlegt hat. Eine Rekordstrafe, heißt es. Ich sage: ein Anfang.
Was hier verhandelt wurde, ist kein Einzelfall. Es ist das Muster. DWS hat eingeräumt, dass ihre Marketingstrategien in der Vergangenheit übertrieben waren. Übersetzt aus dem Juristen-Latein: Man hat Grün verkauft, wo Grau war. Die Fonds, die als nachhaltig deklariert wurden, trugen das Etikett wie ein frischer Anstrich auf morschem Holz. DWS wurde beschuldigt, ihre ESG-Kredite übertrieben darzustellen — keine Lücke im Formular, sondern eine Lücke in der Architektur.
Drei Stellen haben ermittelt: die SEC in Washington, deutsche Behörden hier, die Verbraucherzentrale, die Anleger vertrat, denen die tatsächliche Nachhaltigkeit ihrer Investitionen verschwiegen wurde. Drei Blickwinkel, ein Befund: Die Kriterien für ESG-Investments wurden zu lax gehandhabt. Das ist Greenwashing im industriellen Maßstab — Unternehmen, die ihre Umweltverantwortung überbewerten, damit Käufer unterschreiben, die glauben, sie täten das Richtige.
Die Strafe unterstreiche die Bedeutung von Transparenz und Genauigkeit in ESG-Berichten, schreiben die Pressestellen. Ich übersetze: Solange Aufsicht erst dann hinschaut, wenn der Staub sich schon in den Atemwegen festgesetzt hat, bleibt das Geschäftsmodell tragfähig. Die internen Prozesse seien verbessert worden, heißt es weiter.
Wer profitiert? Die, die das Narrativ verkauften, solange es trug — und die, die rechtzeitig ausgestiegen sind, bevor das Licht anging. Wer verschweigt? Offen bleibt, wer die angekündigten Verbesserungen kontrolliert, in welchem Umfang, nach welchem Maßstab. Die Struktur, die Marketing und Realität so weit auseinanderklaffen ließ, ist nicht benannt. Sie steht noch.
Die Erde schreibt ihre Bilanzen in Staub und Salz. Was als grün verkauft wird, das prüft sie nicht an der Pressemitteilung.