Akten auf Bestellung — und das Drehbuch bleibt gleich
Moskau liest die Anklageschrift. Dreht sie um. Reicht sie zurück. Neuer Absender, alter Stempel.
Russland wirft der Ukraine ihrerseits Kriegsverbrechen vor und behauptet, Beweise zu haben. Das Wort „ihrerseits" ist der Schlüssel. Wir wissen, was ihr sagt. Wir tun es auch.
Ich habe zwei Kriege gesehen. Regierungen öffnen Aktenmappen, wenn Kameras laufen. Moskaus Lieferung ist kein Beweisstück. Es ist ein Drehbuch.
Amnesty International und Human Rights Watch dokumentieren Verstöße gegen das internationale Menschenrecht. Der Westen und die ukrainische Regierung werfen Russland Kriegsverbrechen vor. Die US-Regierung stützt ihre Einschätzung auf öffentliche Quellen und Geheimdienstinformationen — wahllose Angriffe auf Zivilisten und zivile Einrichtungen. Russland bestreitet: nur militärische Ziele. Kriegsverbrechen umfassen verbotene Waffen und Angriffe auf Zivilpersonen. Unklar bleibt, wer in Russland die „Beweise" prüft.
Der Internationale Gerichtshof hat Russland aufgefordert, die militärische Gewalt zu beenden. Die Umsetzung ist unsicher, weil der IGH keine Durchsetzungsmacht besitzt.
Ein russischer Experte, dessen Name fehlt, nennt die Lieferung von Gripen-Kampfflugzeugen an die Ukraine einen Versuch, alte und abgenutzte Technologie zu entsorgen. Das russische Generalkonsulat in Rumänien wurde geschlossen, der Generalkonsul zur Persona non grata erklärt, Moskau droht mit Gegenmaßnahmen. Bühnen für vorgezeigte Beweise — anderswo verschwinden welche.
Wem nützt der Vorwurf? Wem nützt das Gegengift? Wenn beide Seiten klagen, fragt man nicht mehr, wer schuldig ist. Man fragt, wer das Manuskript geschrieben hat. Wer leise dokumentiert, hat die Beweise. Die Archive des Kreml sind keine Archive. Sie sind Manuskripte.