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Balkan-Akte: Zähle die Gewinner, nicht die Toten

8. Juli 2026 — — — M. Silber

Die Balkanroute. Noch immer sterben Menschen auf ihr. Noch immer zähle ich Leichen statt Fortschritt. Ein Mann aus Aleppo lag vergangenen Monat mit Hautdiphtherie drei Wochen in einem Belgrader Lager, bevor ihn jemand nach Wien ließ. Sein Name steht in keiner Akte, die ich öffnen darf. Sein Fall existiert. Und wer davon profitiert, das ist die eigentliche Akte.

Russlands Krieg in der Ukraine hat das Sicherheitsdilemma auf dem Balkan neu sortiert. Alte Konflikte — nie gelöst, nur eingefroren — treten offen zutage. Die militärische Modernisierung im Westbalkan schafft ein Geflecht aus ungleichen Fähigkeiten und gebrochenen Allianzen. Wer modernisiert hier eigentlich? Mit wessen Geld? Für welches Szenario? Die Parlamente reden von Abschreckung. Die Rüstungsbilanzen erzählen eine andere Sprache.

Serbien spielt ein doppeltes Spiel. Belgrad kokettiert mit Moskau, während es EU-Visaregelungen aussitzt und Asylpolitik als Druckmittel einsetzt. Brüssel droht. Belgrad zuckt die Schultern. Hier wird über Menschen verhandelt, nicht über Paragrafen — aber so wird es verkauft.

Christian Schmidts Rücktritt als Hoher Repräsentant in Bosnien und Herzegowina reißt eine Lücke. Was folgt, ist nicht Stabilität, sondern Vakuum. Und Vakuum füllt sich auf dem Balkan mit dem, was Dayton einzudämmen versuchte: Nationalismus, alte Rechnungen, neue Patrone.

Die neuen Gaskorridore werden gefeiert als wirtschaftliche Integration. Ermittlerisch gefragt: Wessen Pipeline, wessen Abhängigkeit, wessen Hebel? Energieinfrastruktur ist auf dem Balkan nie nur Infrastruktur.

Die Balkanroute selbst: Wer sie schließt, füttert die Schlepper. Keine These, sondern Mechanik. Wer die humanitäre Glaubwürdigkeit der EU opfert, um Innenpolitik zu bedienen,

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