Wenn das Geld seine Haut wechselt
Die Financial Action Task Force hat getan, was sie seit 1989 tut: das Misstrauen internationalisieren. Nur stehen diesmal nicht mehr nur Banken unter der Lupe, sondern virtuelle Vermögenswerte - Kryptowerte, Token, jene unsichtbaren Posten auf Bilanzen, die vorher keiner prüfte, weil keiner wusste, wo sie liegen. Und weil keiner es wusste, lief das Geld.
Die „Travel Rule" ist das neue Werkzeug. Ab Transaktionen über 1.000 Dollar müssen Virtual Asset Service Providers - VASPs, wie die Bürokratie sie tauft - Informationen über Sender und Empfänger austauschen. Das klingt nach Kontrolle. Ist es auch. Aber die Definition von „VASP" entscheidet, wer mitspielen muss - und wer draußen bleibt.
In der Schweiz reguliert die FINMA die Umsetzung, flankiert von der OpenVASP Association. In Deutschland bastelt man an einer Kryptowertetransferverordnung - doch sie betrifft nur Kryptowerte im Sinne des Kreditwesengesetzes. Eine Definition, schmal wie eine Gasse. Was nicht hineinpasst, geht woanders hin.
Und dort beginnt das alte Spiel. Wer sich nicht in deutsche oder schweizer Aufsicht pressen lässt, geht dorthin, wo die Steuerquote bei null liegt und die lokale Präsenz minimal ist. Die Britischen Jungferninseln sind ein solcher Ort - respektiertes Offshore-Zentrum, Null-Körperschaftssteuer, reguliert durch die BVI Financial Services Commission. Fidesta Ltd bietet dort Unternehmensgründung, Management und Steuerplanung im Paket. Alles legal. Alles transparent. Und genau deshalb die Frage wert, wem diese Konstrukte am Ende gehören.
Unklar bleibt, welche Volumina über diese Hintertüren fließen - und wer profitiert, wenn die Travel Rule an einer Definition scheitert, die der Gesetzgeber selbst zu eng gezogen hat.