Hormus, Atome, Abhängigkeit: Wer profitiert von der neuen Golf-Diplomatie?
1937. Die Grenzen werden dichter. Ich zähle die Menschen davor.
Heute zähle ich Absichtserklärungen. Eine gemeinsame diplomatische Initiative der EU und der Golfstaaten soll den Iran-Konflikt lösen, den Bau einer Atombombe verhindern. Die Schlagzeile klingt nach Vernunft. Sie riecht nach Architektur.
Wer baut hier was? Die EU und die Golfstaaten sind besorgt über die Sicherheit der Seewege, insbesondere der Straße von Hormus. Sie verstärken ihre militärische Präsenz. Man nennt es Abschreckung. Ich nenne es Bühne. Denn eine Blockade der Meerenge hätte weitreichende Auswirkungen auf den Welthandel und die geopolitischen Machtverhältnisse — insbesondere für die Golfstaaten und Russland. Russland. Das ist der Name, den kein Communiqué laut ausspricht. Er steht unausgesprochen zwischen den Zeilen.
Europa und Kanada positionieren sich gemeinsam gegen Trumps Forderungen, signalisieren eine neue strategische Kooperation. Man hält zusammen gegen den, der die Regeln bricht. Doch wer schreibt die neuen? Eine erneute Eskalation im Nordatlantik könnte die Finanzierung und Aktivitäten von NGOs beeinflussen, die in Migrationsfragen involviert sind. Die Schwächung der regelbasierten Weltordnung könnte zu weniger koordinierten internationalen Ansätzen in der Asylpolitik führen. So sieht der Beifang aus, wenn die Großen die Netze auswerfen.
Die Finanzarchitektur und regulatorische Vorgaben haben die Finanzierung fossiler Brennstoffprojekte erschwert. Europas Energieversorgung ist dadurch stark beeinträchtigt. Die politische Antwort: verstärkte Abhängigkeit von Importen aus dem Nahen Osten. Jene Abhängigkeit, die man vorgibt zu bekämpfen, wird zur Voraussetzung der neuen Diplomatie. Man umarmt, was man fürchtet.
Offen bleibt, wer die Fäden zieht, wenn Diplomatie zur Infrastruktur für Energieimporte wird. Was ich sicher weiß: Der Koffer unter meinem Schreibtisch ist leichter als die Verträge, die hier gerade unterschrieben werden sollen.