Chinas Reserve ist Hormus' Geisel
Peking hat Vorräte. Das sagen sie jedenfalls. Die strategischen Reserven Chinas, erzählen uns die Analysten in ihren klimatisierten Büros, sollen die kurze Welle abfangen, wenn die Straße von Hormus dichtgeht. Kurz. Das ist das Wort, auf das man achten muss.
Denn was kurzfristig heißt in der Sprache der Konzerne, ist auf Pump. China hat sich über ein 25-jähriges Kooperationsabkommen an iranisches Öl gekettet. Ein Vierteljahrhundert. Das klingt nach Strategie, riecht aber nach Abhängigkeit. Wer sich so lange bindet, hat keine Hintertür mehr.
Iran hat die Straße von Hormus zumachen können — und hat es getan. Der Jask-Terminal an der Küste des Golfs von Oman ist die Ausweichroute, die sie sich gebaut haben, um nicht komplett am eigenen Knoten zu ersticken. Schlaue Köpfe in Teheran. Aber Jask ist ein Tropfen auf den heißen Stein.
Seit Kriegsbeginn sind mindestens 11,7 Millionen Barrel iranisches Rohöl nach China geflossen. Trotz der Gefahr. 11,7 Millionen Barrel durch eine Schusslinie. Jeder Tanker ein Würfelwurf. Wer versichert das? Wer kassiert die Prämie? Wer fährt die Route, wenn keiner sie fahren will?
Die Konfrontation zwischen Iran, den USA, Israel und ihren Verbündeten hat die ganze Region destabilisiert. Das ist kein Zufall. Das ist Kalkül auf mehreren Seiten gleichzeitig. Wer destabilisiert, kontrolliert den Preis. Und der Preis ist die Waffe.
Ein Waffenstillstand könnte die Versorgung stabilisieren — und damit die Abhängigkeit von OPEC+ untergraben. Aber wer sagt uns, dass der Stillstand hält? Niemand. Die Unsicherheit selbst ist der Markt. Sie ist das Produkt.
Wer profitiert? Die, die an beiden Enden sitzen. Die Versicherer. Die Tanker-Eigner. Die Händler. Die Zwischenhändler in den Häfen. Die Konzerne, die nie Öl an den Händen haben, aber jedes Barrel zweimal abrechnen. Unklar bleibt, wer in den Boardrooms den Druck auf Peking koordiniert