Gekaufte Luft: Wie Zertifikatebetrug die deutsche Energiewende aushöhlt
Die Erde schreibt Quittungen. Manchmal in Staub, manchmal in Blei, manchmal in Papier, das sich CO2-Zertifikat nennt und nichts ist als bedrucktes Vertrauen.
Diesmal ist es Papier. 215.000 Tonnen sollen sie einsparen, diese acht Projekte, die das Umweltbundesamt jetzt verweigert hat. 215.000 Tonnen, die nie existierten. Luft, verkauft als Erlösung. Während deutsche Mineralölkonzerne und andere Branchen Milliarden überwiesen für Emissionsgutschriften, die auf dem Papier asiatische Wälder schützten — und in der Realität Aktenstaub waren.
Beijing Karbon, Entwickler der fragwürdigen Projekte, hat Verbindungen zu ehemaligen chinesischen Regierungsbeamten. Prüfunternehmen, so legen Indizien nahe, wurden nicht zur Prüfung engagiert, sondern zur Plazierung. Projekt BZIA wurde genehmigt, obwohl es bereits vor dem Antrag existierte — gegen die Vorschriften. Hinweise verdichten sich, dass viele der in China finanzierten Klimaprojekte gar nicht existierten. Wer hier geblinzelt hat, wer weggesehen hat — das ist die offene Frage, die im Raum steht wie Staub über abgeernteten Feldern.
Die Struktur ist bekannt. Die THG-Quote erlaubt Mineralölunternehmen, ihre Verpflichtungen durch Zertifikatekauf zu erfüllen. Dass auch Upstream-Emissionen herangezogen werden, wirft Fragen auf — zur Effektivität, zur Integrität des Systems. Das Schlupfloch wurde zur Einflugschneise. Elektrifizierung des Straßenverkehrs — der Ausweg aus dem Verbrenner — wird so zur Buchhaltungsfrage. Wer Zertifikate kauft, muss nicht umrüsten. Wer umrüstet, braucht keine Zertifikate. Also werden Zertifikate gekauft.
Die Konzerne haben verloren. Weniger sicher ist, wer gewonnen hat. Unklar bleibt, über welche Kanäle die Gelder flossen, welche Behörde wann nachfragte und warum sie nicht nachfragte.
Was bleibt, ist Erde. Sie bindet auch dann weiter Kohlenstoff, wenn die Bilanz es nicht tut. Unsere Bücher korrigiert sie nicht. Uns korrigiert sie.
Erosion folgt der Schwerkraft. Buchhaltung nicht.