PATENT BIS 2000 — KREBS BIS HEUTE
Ich habe Felder gesehen, die sauber waren wie ein Operationssaal. Kein Halm, der sich gegen den Spaten stellte, kein Kraut, das sich zwischen die Reihen drängte. Sauberkeit. So nennt es die Broschüre. Ich nenne es Totenstille.
Glyphosat. Ein Wort wie aus dem Labor eines Alchemisten, der nichts Gutes im Sinn hat. Es wird weltweit gespritzt, besonders dort, wo Soja wächst — und Soja wächst heute fast überall, wo der Boden sich nicht wehrt. Die Erde wehrt sich nicht. Sie nimmt, was kommt. Und was kommt, bleibt.
Die EU diskutiert die Verlängerung der Zulassung. Diskutiert. Das ist das Wort, das sie benutzen, wenn sie sich nicht einigen können und trotzdem weiter spritzen wollen. Umweltgruppen sind enttäuscht. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft äußert Bedenken. Bedenken. Ein höfliches Wort für: Wir wissen, dass es tötet, aber bitte beeilt euch nicht mit der Wahrheit.
Die Mitgliedstaaten sind uneins. Also verlängert man mit neuen Auflagen. Neue Auflagen. Wie neue Kleider über alten Narben.
Monsanto hielt das Patent auf glyphosathaltige Produkte in den USA bis 2000. Ein Monopol. Wer zahlt, bestimmt, was gespritzt wird. Wer zahlt, schreibt auch, was auf dem Etikett steht. Und was nicht.
Xtend-Technologien sind die nächste Generation: Saatgut, das gegen mehrere Herbizide resistent ist. Die Antwort auf Unkraut, das nicht mehr sterben will. Eine Lösung, die neue Probleme sät. Wie immer.
Bayer zahlte 2020 neun Komma sechs Milliarden US-Dollar. Rekord. Krebsverdacht. Zahlreich. So steht es in den Akten. Das Geld fließt. Das Gift bleibt.
Was bleibt, ist die Frage, die niemand stellt: Wer trägt die Kosten, wenn das Brot auf unserem Tisch seinen Preis nicht an der Kasse zahlt, sondern im Blut? Unklar bleibt, welche Daten wirklich auf dem Tisch der Bewertung lagen — und welche in Schubladen verschwanden.
Die Erde redet. Die Städte hören nicht zu. Sie schmecken das Brot und ahnen nicht, woraus es gebacken ist.
Was bleibt, ist die Erde.