Der Halbschatten der Sahelzone: Wer profitiert, wer schweigt
Manche Karten lügen nicht durch das, was sie zeigen, sondern durch das, was sie weglassen. Die Sahelzone ist auf den Atlanten ein Fleck aus Beige und Braun — eine Bühne, auf der alle dasselbe Stück aufführen. Was fehlt, sind die Verbindungslinien zwischen Akteuren, die offiziell nicht miteinander reden.
JNIM operiert dort, wo die Karte weiß wird. Die Gruppe nutzt Verbindungen zu regionalen kriminellen Netzwerken und profitiert von der politischen Instabilität in Mali und Burkina Faso — keine These, sondern eine Rechnung, die sich monatlich neu stellt. Die jüngste Offensive von Al-Qaida und der ALF in Mali zeigt, dass die Suche nach nationaler Souveränität in der Region nicht beantwortet ist — und mitunter von jenen gestellt wird, die sie am lautesten missachten.
Die französische Militärpräsenz wird von einigen lokalen Führungskräften als Einschränkung der nationalen Autonomie und als neokoloniale Hybris wahrgenommen. Wenn heute von lokal angepassten Lösungen die Rede ist, klingt das nach Einsicht. Es klingt auch nach einem weiteren Jahrzehnt unterzeichneter Protokolle, die nicht eingehalten werden.
Dass Abu Muhammad al-Golani nun als politischer Akteur verhandelt, wirft seine Schatten bis in die Savanne. Die Transformation vom Kämpfer zum Verhandlungspartner ist keine Wandlung, sondern eine Methode. Wer profitiert? Jene, die überleben. Wer verschweigt? Jene, denen man die neue Sprache als Fortschritt verkauft, während die alten Netzwerke intakt bleiben. Desinformation und Einflussoperationen untergraben die Stabilität — sie gehören in jeden Bericht und werden in keinen ernst genommen.
Die AQMI, hervorgegangen aus der Salafisten-Gruppe für Predigt und Kampf, ist in den USA als Foreign Terrorist Organization gelistet. Die Liste beruhigt; sie erklärt nichts. Algerische Behörden töteten und verhafteten über Jahre Mitglieder — die AQMI verlor an Substanz, nicht an Idee. Lokal angepasste Lösungen und internationale Unterstützung — das klingt vernünftig. Es klingt auch nach einer Einladung an jene, die jede Hilfe in leere Versprechen umrechnen.
Unklar bleibt, welche Akteure hinter den Desinformationskanälen stehen; unklar bleibt, wer die Transformation von Extremisten zu politischen Akteuren tatsächlich moderiert. Die Karten werden neu gezeichnet. Die Spuren im Sand gehören weiterhin jenen, die keine brauchen.